Transistor: tolles Design trifft auf intelligentes Kampfsystem




Wie versprochen, wollen wir die guten Vorsätze gleich umsetzen. So gibt es den folgenden Test sogar zuerst in schriftlicher Form. Vor einigen Wochen habe ich mich endlich dazu durchgerungen eine PS Plus Mitgliedschaft abzuschließen. Grund dafür war, dass ich mich einerseits nicht weiter dem vernetzten Spielerlebnis entziehen wollte und ein ganz bestimmtes Spiel, das zu dieser Zeit im Angebot war. Denn dieses besagte Spiel hatte von Anfang an durch seine tolle Optik in seinen Bann gezogen und so konnte ich irgendwann einfach nicht mehr widerstehen. Ob Transistor das Jahresabo rechtfertigen konnte und wie sich als Spiel überhaupt schlägt, erfahrt ihr in diesem Test. Viel Spaß!

Zuvor noch ein paar Worte zum PS Plus-Abo. Momentan werden vermehrt Stimmen lauf, die sich beschweren, dass nur noch Indie-Titel angeboten werden und große „lohnenswerte“ Spiele etwas vermisst werden. Dem kann ich nicht ganz zustimmen. Viel mehr stehe ich diesem Umstand positiv gestimmt gegenüber, da ich so in den Genuss einiger Spiele-Perlen komme, die ich mir sonst wahrscheinlich nie angesehen hätte. Denn genau das war der Fall mit Transistor. Ein Spiel, dass sofort meine Aufmerksamkeit hatte, bei dem ich mich aber nie so recht durchringen konnte, es zu kaufen. Kann es mehr als tolles Design und Soundtrack? Ist es vielleicht zu Indie? Das schöne am PS Plus-Abo, es entstehen keine weiteren Kosten und wenn es doch enttäuscht, habe ich wenigstens kein Geld dafür ausgegeben. Also nicht nur für genau das eine Spiel…

Und noch schöner ist es dann, wenn das Spiel auf ganzer Linie überzeugen kann. Bereits mit ihrem Erstlingswerk Bastion haben die Entwickler von Supergiant Games gezeigt, was sie drauf haben. Ihr schlüpft in die Rolle der hübschen, rothaarigen Sängerin Red. Bewaffnet mit dem namensgebenden Transistor, einem sprechendem Schwert, das gleich die Rolle des Erzählers übernimmt, kämpft ihr euch durch aller Hand Roboter-Gegner, um das Wohl der Stadt zu retten. Wo kommen die Gegner, der so genannte Process eigentlich her? Wer sind die Camerata und was wollen sie? Warum kann das Schwert sprechen? Und was genau geht hier eigentlich ab? Nun diese Fragen müsst ihr größtenteils selbst beantworten, denn das Spiel hält sich mit genauen Antworten zurück und lässt euch jede Menge Freiraum zum Interpretieren. So fällt es anfangs echt nicht leicht in der Welt Fuß zu fassen. Außerdem will in den ersten Minuten kein wirklicher Spannungsbogen aufkommen, da alles einfach ein Tick zu kryptisch ist. Das bessert sich aber nach einiger Zeit. Mit den ersten Story-Häppchen bildet sich im Kopf des Spielers so langsam ein Gesamtbild und dann wird die Story sogar richtig unterhaltsam. Nur verlang Transistor vom Spieler die Eigenschaft selbst Zusammenhänge zu verknüpfen und zu interpretieren. Eine geradlinige Erzählung bekommt ihr hier nicht.

Das ist aber nicht der einzige Punkt, an dem Transistor ein schmales Grundgerüst bieten, das unglaublich umfangreich ausgebaut werden kann. Denn das Kampfsystem ist genial einfach und komplex zugleich. Nach und nach schaltet ihr neue Funktionen für den Transistor frei, welche ihr dann je nach Belieben in Aktive-, Passive- oder Erweiterungs-Slots packen könnt. Dadurch entstehen beinahe unendlich viele mögliche Kombinationen, die die Funktion bestimmter Fähigkeiten teilweise dramatisch verändern können. Das ist clever, regt zum experimentieren ein und macht einen ganz großen Reiz des Kampfsystems aus. Hinzu kommen die Kämpfe selbst. Auf Knopfdruck haltet ihr die Zeit an. Dann könnt ihr eine bestimmte Anzahl von Aktionen planen, die dann nach nochmaligem Tastendruck blitzschnell ausgeführt werden. So paart Transistor das schnelle, actionreiche Actionkampfsystem mit einer taktischen, rundenbasierten Komponente und erzeugt somit es ganz einzigartiges. Und Taktik ist auf jeden Fall gefragt, denn der Schwierigkeitsgrad zieht schon schnell an.

Kommen wir aber zu dem Punkt, der mich zum Kauf bewegt hat, die audiovisuelle Darstellung. Ihr spielt in einer typischen isometrischen Sicht. Was aber sofort auffällt ist das geniale Art-Design. Die Umgebungen haben mich immer wieder an Thron erinnert. Das gepaart mit einem Charakterdesign, dass an das Frankreich des 18. Jahrhunderts erinnert, ergibt ein seltsam passendes SciFi-Setting, das ich so noch nicht gesehen habe. Ja, das Spiel bietet sicherlich nicht den höchsten Detailgrad und kitzelt auch bei weitem nicht alles aus der Hardwarepower der PS4. Aber stimmig und einzigartig muss ein Design sein. Und das ist es bei Transistor auf jeden Fall. Noch besser gefällt mir der Soundtrack. Da die Protagonistin Red eine Sängerin ist, bietet es sich an, auch Stücke mit Gesang im Spiel einzubauen. Und meine Fresse, ist das geil! Entschuldigt die etwas derbe Ausdrucksweise, aber als dieses Lied zum ersten Mal aus den Boxen ertönte, gepaart mit der tollen Optik, hatte ich Gänsehaut. Gut, auch die Sprecher leisten ihren Beitrag. Vor allem der Erzähler mit seinen tiefgründigen Monologen plappert erstaunlich häufig und trotzdem habe ich immer wieder gerne zugehört.

Bisher gab es nur Lobpreisungen. Ist Transistor also perfekt? Nein! So hatte ich aufgrund der geheimnisvollen Erzählweise deutlich mehr vom Plot erwartet, als letztendlich herauskam. Versteht mich nicht falsch, die Story ist alles andere als schlecht. Sie wird in meinen Augen aber den tiefgründiges Ansatz und der konfusen Erzählung nicht ganz gerecht. Auch macht eben diese konfuse Erzählung den Einstieg etwas zäh. Ein weiteres Problem ist, dass Transistor die teils echt komplexen Fähigkeiten kaum oder gar nicht erklärt. Das führt zu einigen Trial-and-Error-Abschnitten, die den Spielfluss hindern.

Bevor wir zum Fazit kommen, könnt hier das Video-Review anschauen:


Nichtsdestotrotz ist Transistor ein sehr gutes Spiel. Vor allem die audio-visuelle Darstellung und das komplexe Kampfsystem wissen zu überzeugen und den Spieler einige Stunden zu fesseln. Das Fehlen eines roten Fadens und der zähe Einstieg mag einige abschrecken. Bleibt ihr allerdings am Ball und lässt euch darauf ein, erwartet euch mit Transistor ein Spiel, das hier wirklich einzigartig ist.

Pro:

+ tolles Art-Design

+ genialer Soundtrack

+ einfaches, aber trotzdem extrem komplexes Kampfsystem

+ Platz für Interpretationen

Kontra:

- Einstieg etwas zäh

- Plot weniger vielschichtig und tiefgründig als suggeriert

Wertung: 8/10

Beliebte Posts aus diesem Blog

Deadpool: der etwas andere Superhelden-Film

„Echtes“ Android auf dem Amazon Fire HD8 (ohne Root)

Horror Games: Was mir das Fürchten lehrt?