Tolino Shine (2): kein Schmuckstück, aber trotzdem gut




Es ist bereits einige Wochen her, dass ich Thalias eBook-Reader Tolino Shine der zweiten Generation hier ausgepackt habe. Nicht zum ersten Mal bringe ich hier zum Ausdruck, dass mein größtes Problem mit den elektronischen Büchern tatsächlich der Preis ist. Für den Funktionsumfang waren sie mir einfach zu teuer. Nun gibt es den Tolino Shine mittlerweile zu einem recht attraktiven Preis, weshalb ich nicht mehr widerstehen konnte. Jetzt habe ich ihn ausgiebig getestet und so einige digitale Seiten umgeblättert und kann euch hier meine Meinung zum Gerät präsentieren. Viel Spaß!

Design
Fangen wir aber wie immer mit den Äußerlichkeiten an. Design ist bekanntermaßen Geschmackssache. Beim Tolino Shine kann ich aber getrost sagen, dass er mindestens altbacken daher kommt. Nicht nur die dezent hässliche Farbgebung, sondern auch das generelle Design wirken einfach nicht mehr zeitgemäß oder gar modern. Einen Schönheitspreis gewinnt der Tolino damit wirklich nicht. Nichtsdestotrotz bietet die oft kritisierte Farbe einen nennenswerten Vorteil. Lästige Fingerabdrücke konnte ich selbst bei längerer Bedienung nicht feststellen. Zudem liegt der eReader dank seiner handlichen Maße von 175 x 116 mm und einer Dicke von ca. 9,7 mm wunderbar in der Hand. Das wird durch die stark abgerundeten Ecken und die angenehm gewölbte Rückseite nur noch weiter verstärkt. In einem Satz, der Tolino Shine ist ein wahrer Handschmeichler. In diesem Zusammenhang möchte ich auch auf den oft kritisierten dicken untern Displayrand eingehen. Ich persönlich finde ihn äußerst praktisch und angenehm um den Reader zu halten.

Verarbeitung
In puncto Verarbeitung gibt es beim Tolino Shine in meinen Augen aber kaum etwas zu kritisieren. Die wenigen Tasten sind einwandfrei verbaut, wackeln nicht und haben einen guten Druckpunkt. Einzig der Home-Button sitzt etwas sehr straff und muss schon mit ungewohnt viel Kraft betätigt werden. Das gummierte Kunststoff-Gehäuse fässt sich zudem sehr angenehm an und durch das Gesamtgewicht von nur 183g kann der Reader auch problemlos über einen längeren Zeitraum mit einer Hand gehalten werden. Auch sind mir keinerlei unsauber verarbeitete Kanten oder Spaltmaße aufgefallen. Die Verarbeitung ist dementsprechend wirklich super!

Display
Aber warum greift man eigentlich zu einem eReader? Natürlich aufgrund des Displays, dass wegen der eInk-Technologie auch bei starker Sonneneinstrahlung perfekt abzulesen ist. Die Auflösung von 1024 x 758 Pixeln sorgt beim 6 Zoll großen Displays des Tolino Shine für eine Pixeldichte von ca. 212 ppi. Das klingt heutzutage nicht nach sehr viel, reicht aber vollkommen aus. Schrift wird angenehm scharf dargestellt. Viel wichtiger ist Ablesbarkeit bei Licht und die ist einfach unschlagbar. Je heller, desto besser scheint man die Inhalte ablesen zu können. Da nimmt man auch die technische Limitierung in der Darstellung von gerade einmal 16 Graustufen gerne in Kauf. Um den Reader auch bei schwachem Licht verwenden zu können, verfügt dieser über eine aktive Beleuchtung. Durch diese wird das Display sehr gleichmäßig und angenehm ausgeleuchtet. Insgesamt kann ich zusammenfassen, dass mir das Lesen auf dem Display sehr viel Spaß macht. Zudem kommt das alle Eingaben auf den Infrarot-Touchscreen präzise, schnell und zuverlässig erkannt werden.

Performance
Angetrieben von einem 800 MHz Prozessor dem nur 256 MB Arbeitsspeicher zur Seite stehen, könnte manch einer skeptisch werden. Allerdings muss der Tolino auch keine hochaufwendigen Prozesse ausführen. In den meisten fällen klappt die Bedienung äußerst flüssig. Zwar dauert das Öffnen von Büchern für Highend-Smartphone verwöhnte Nutzer etwas länger, aber die „Wartezeiten“ sind mehr als vertretbar. Wichtiger ist, dass es beim Umblättern zu keinerlei Verzögerung kommt. Einzig die Browser-Performance lässt zu wünschen übrig. Internetseiten laden ziemlich langsam, Scrollen geht nicht flüssig und selbst der Browser hängt sich ziemlich häufig komplett auf. Das, was der Reader in erster Linie erledigen soll (Darstellen von Büchern), tut er angenehm flott. Für alles andere ist er zu träge.

Software und Funktionsumfang
Auf dem Tolino Shine läuft ein stark angepasstes Android. Neben der eigentlichen Lese-Funktion bietet der Reader den bereits erwähnten Internet-Browser und verschiedene Wörterbücher. Die eigene Bibliothek kann in Sammlungen organisiert werden, was vor allem bei Buch-Serien äußerst hilfreich ist. Natürlich kann auch das Schriftbild in allen möglichen Punkten, wie der Schriftgröße, -art oder den Zeilenabstand angepasst werden. Die Wörterbuchfunktion erlaubt das Nachschlagen direkt im Buch und über eine Volltextsuche können Passagen in den Büchern schnell gefunden werden. Zwar bietet der Tolino Shine nicht ganz den Funktionsumfang eines Sony PRS-T3, ich persönlich habe aber keine Funktion vermisst. Das einzige, das mich etwas stört, ist die Festlegung auf einen Online-Store. Dieser wird prominent auf den Startbildschirm dargestellt und hängt davon ab, wo ihr das Gerät erworben habt. Warum kann ich meinen bevorzugten Store nicht selbst wählen oder diese etwas penetrante Darstellung ganz ausblenden?

Speicher und Akkulaufzeit
Ein weiterer wichtiger Vorteil eines eReaders ist die beinahe unschlagbare Akkulaufzeit. Seit ich das Gerät vor einigen Wochen ausgepackt habe, musste es nur einmal an die Steckdose und in diesem Zeitraum habe ich etliche hundert Seiten gelesen. Laufzeiten von mindestens vier Wochen sind problemlos möglich. Von den 4GB an internen Speicher stehen noch ca.  2GB zur Verfügung. Das sollte ausreichen, um über 1000 Bücher auf dem Tolino unterzubringen. Wem das ausreicht, der kann den Speicher problemlos um bis zu 32GB per microSD-Karte erweitern oder auf den bereitgestellen 25GB großen Cloud-Speicher zugreifen. Was die Akkulaufzeit oder den Speicherkapazität angeht, sollten alle Wünsche erfüllt werden.

Vor dem endgültigen Fazit gibt hier das Review als Video:


Fazit
Auch wenn ich einen Preis von 88 Euro immer noch etwas überzogen finde, für ein Gerät das vorwiegend „nur“ zum Lesen herhalten soll, muss ich zugeben, dass eReader so einige Vorteile gegenüber potenteren Tablets bieten. Auch der Tolino Shine zeigt eindrucksvoll wo die Vorteile eines eInk-Displays líegen. Auch wenn das Design vielleicht keine Preise gewinnt oder die Performance außerhalb der Bücher eher mau ausfällt, konnte der Reader mich im Test überzeugen. Ich wollte etwas zum Lesen bei guten und schlechten Lichtbedingungen mit ausreichend Speicher und einer angenehmen Bedienung. Das wird mit Bravour erfüllt. Vor allem in seiner Preisklasse ist das beleuchtete Display ein wahres Highlight. Kann ich den Tolino Shine der zweiten Generation weiterempfehlen? Für Bücher-Freunde, die abseits der Bücher kaum etwas brauchen auf jeden Fall. Design-Fetischisten, Pixel-Junkies und ungeduldige User sollten lieber zum potenteren Tolino Vision greifen.

Pro:

+ handliches Design ist wahrer Handschmeichler

+ super Verarbeitung und angenehmes Gewicht

+ super ablesbares, ausreichend scharfes Display

+ gleichmäßige Beleuchtung

+ unschlagbare Akkulaufzeit und ausreichend Speicher

+ übersichtliche Bedienoberfläche

Kontra:

- altbackenes Design, merkwürdige Farbgebung

- vergleichsmäßig kleiner Funktionsumfang

- schlechte Browser-Performance

- teilweise etwas träge

Wertung: 7,5/10


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