Jurassic World: Größer, mehr Zähne, aber auch besser?




Dinos? Funktioniert das heute überhaupt noch? Genau diese Frage stellte ich mir, als Jurassic World angekündigt wurde. Steven Spielbergs filmisches Meisterwerk Jurassic Park setzte damals vor allem technisch Maßstäbe. Noch nie konnte man bis dahin die Ureinwohner unsere Erde in solcher Pracht betrachten. In der heutigen Zeit, wo jede (un)denkbare Szene vollgestopft ist mit CGI- und Spezialeffekten, kann solch ein Film nicht mehr „nur“ mit hübschen Dinosauriern auftrumpfen. Ob die Rechnung trotzdem aufgegangen ist, erfahrt ihr in dieser Filmkritik.

Die Geschichte ist sehr einfach erzählt und fokussiert sich zugleich auf das eigentliche Dilemma des Films. Jurassic World ist ein riesengroßer Vergnügungspark für Jung und Alt, der mit seinen im Labor neu belebten Dinosauriern täglich tausende Besucher anlockt. Doof nur, dass sich die Menschen mittlerweile an T-Rex und Co satt gesehen haben. Eine noch größere, gefährlichere Attraktion muss also her. Was spricht also dagegen einen ganz neuen Super-Dino aus verschiedenen Gen-Sequenzen zu basteln?  In erster Linie, dass das Vieh intelligenter ist als gedacht, daher aus seinem Gehege ausbrechen kann und fortan alles, was nicht bei drei verschwunden ist, tötet. Nun heißt es also, den Super-Dino aufhalten und so viele Menschen wie möglich retten.

An dieser Stelle könnt ihr euch den passenden Trailer ansehen.


Und genauso banal wie es scheint, ist die Story auch. Zwar wird versucht, durch familiäre Probleme, Liebeleien und politische Ränkespiele etwas Tiefe zu erzeugen, aufgrund der klischeehaften Umsetzung und des viel zu oberflächlichen Drehbuches gelingt das nicht im Ansatz. Jurassic World verliert sich in der eigenen Kritik an der steigenden Nachfrage nach immer mehr Krawall und Action. Aufgrund der Tatsache, dass dieser Aspekt im Film direkt angesprochen wird, kann vermutet werden, dass so insgeheim Kritik am Zuschauer geübt werden soll, indem man ihm zeigt: Du wolltest mehr Story und bessere Charaktere? Sorry, aber wir mussten ja für den finanziellen Erfolg des Films eher auf Bombast und Action setzen! Ob das nun tatsächlich der Fall ist, kann ich nicht sagen. Nichtsdestotrotz ist die Erzählung enttäuschend und sie braucht zu lange, um in Fahrt zu kommen. Warum müssen scheinbar ewig Charaktere vorgestellt werden, die eh null Tiefe haben?

Genauso enttäuscht war ich von einem immer angestrengt, düster dreinblickenden Chris Pratt in der Rolle von Owen Grady. Einem ehemaligen Navy-Soldat, der nun Raptoren trainiert und natürlich die Rolle des Helden übernimmt. Seine Rolle gibt nicht sehr viel her, wie alle anderen übrigens auch, aber nach Guardians of the Galaxy hatte ich mehr Leichtigkeit und Selbstironie erwartet. Die blitzt zwar immer mal ganz kurz auf, darf sich aber nie wirklich entfalten. Auch die beiden Jungdarsteller Ty Simkins und Nick Robinson als Brüder konnten mich nicht überzeugen. Es ist schon bezeichnend wenn Bryce Dallas Howard in der Rolle der zickigen und karrieregeilen Claire am meisten Eindruck hinterlässt. Nicht ein Charakter wirkt wirklich gut ausgereift oder wird überzeugend auf die Leinwand gebracht. Wobei ich auch an dieser Stelle, die Schwächen wieder beim Drehbuch vermute.

Bisher klingt mein Urteil vernichtend. Zum Glück punktet Jurassic World genau in den Punkten, die es kritisiert: Größe und bombastische Inszenierung. An der technischen Umsetzung des prähistorischen Themenparks gibt es rein gar nichts zu meckern. Die Dinosaurier sehen einfach nur großartig aus und auch die tropische Kulisse wirkt mehr als glaubhaft. Beinahe jede Szene ist vollgestopft mit grandios gemachten Spezialeffekten. Es geht allerhand zu Bruch. Die Action passt einfach. Sogar das 3D lohnt sich in diesem Fall. Ganz großes Lob geht aber an das Sounddesign und den Soundtrack. Wenn der große I-Rex von hinten aus dem Unterholz gestampft kommt, oder der original Score anfängt aus den Boxen zu dröhnen, ist voll im Geschehen.

Und wie immer das Videofazit. Viel Spaß!


Jurassic World ist genau das, was es in den Anfangsminuten kritisiert, oberflächlichen Blockbuster-Kino mit mehr Schein als Sein. Muss das etwas Schlechtes sein? Nö! Auch ob es gewollt ist, diese Kritik dem Zuschauer so vor die Augen zu führen, sei einmal dahingestellt. In erster Linie soll es Spaß machen sich einen Film anzuschauen. Jedem, der auch Krawall und Action steht, kann sich dieses Machwerk vorbehaltlos ansehen. Vor allem auf der großen Leinwand entfaltet Jurassic World seine ganze technische Pracht. Um dem großen Vorbild und Vorgänger aber das Wasser zu reichen, reicht es aufgrund des schwachen Drehbuches aber auf gar keinen Fall!

Pro:

+ bombastische Inszenierung

+ Dinosaurier sehen fantastisch aus

+ tolle Effekte und gut funktionierendes 3D

+ Sounddesign der Superklasse

+ original Soundtrack immer noch großartig

Kontra:

- flache Story und Charaktere

- insgesamt schwaches Drehbuch

- braucht zu lange um in Fahrt zu kommen

- keine überzeugenden, schauspielerischen Leistungen

- Film verliert sich in der eigenen Kritik am Medium

Wertung: 6/10

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