The Witcher 3 – The Wild Hunt: nicht nur groß, sondern großartig




Was für eine Jagd! Gestern war es dann soweit. Die nahe Zukunft Temeriens und Nilfgards war besiegelt, die Ziehtochter gefunden, die wilde Jage besiegt und die Credits von The Witcher 3 scrollten über meinen Fernseher. Es hat einige Zeit in Anspruch genommen, sich durch zahllose Monster zu schnetzeln und etliche Abenteuer abseits der Wege zu erleben. Dem Titel könnt ihr meine Meinung zum Spiel ja schon entnehmen. Aber ob tatsächlich alles Gold ist was glänzt oder ob ich doch noch was zu meckern habe, erfahrt ihr in diesem Test. Viel Spaß!

Da TW3 tatsächlich mein erstes Abenteuer in der Welt des Hexers war, durfte ich auch das erste Mal in Geralts Haut schlüpfen. Die Welt des Hexers befindet sich im Krieg. Das Kaiserreich Nilfgard hat den Norden Temerien angegriffen. In all dem Chaos ist Geralt auf der Suche nach seiner Ziehtochter Ciri, der Tochter des Kaisers von Nilfgard. Diese wird aufgrund ihrer Fähigkeiten und ihrer Herkunft von der wilden Jagd verfolgt. Auf seiner Suche verfolgt  Geralt aber nicht nur Ciris spuren, sondern befreit das eine oder andere Dorf von verschiedensten Kreaturen, durchstöbert alte Ruinen nach alten Artefakten und entscheidet über den Ausgang des Krieges und die politische Zukunft des Landes. Oder besser gesagt, er kann. Denn es bleibt dem Spieler überlassen, welchen Einfluss er in der Welt haben will.

Und für eine Welt das ist! Zur Story möchte ich gar nicht so viel erzählen, da sie jeder selbst erleben sollte. Nur so viel, mit ihren vielschichtigen und gut geschriebenen Charakteren, einigen Wendungen und der großartigen Inszenierung gehört sie zu dem Besten des Genres. Aber diese Spielwelt hebt die Erzählung in ungeahnte Höhen. Überall gibt es etwas zu entdecken, Geschichten zu erleben oder einfach nur wunderschöne Landschaften zum Bestaunen. CD Projekt Red schaffen es eine Welt zu erschaffen, die so unglaublich glaubhaft und organisch daherkommt, dass man sich auf Anhieb in ihr verlieren kann. Jedes noch so kleine Dorf, ach jede noch so unscheinbare Hütte ist sinnvoll in der Welt positioniert. So findet ihr zum Beispiel um die große Stadt Novigrad verteilt mehrere kleine Dörfer und große Felder. Irgendwo muss das Essen für die ganzen Menschen ja auch herkommen. Großartig! Ich war ehrlich gesagt etwas skeptisch, was die Größe der Spielwelt angeht. Kann man solch eine Welt abwechslungsreich füllen? Oh ja man kann! Es gibt keine Lückenfüller. Wie bereits erwähnt, hinter jedem Hügel, in jedem Dorf, einfach überall warten interessante Geschichten darauf von euch erlebt zu werden. Solltet ihr genug von der Jagd nach Monstern haben, ruht ihr euch bei einer Partie Gwint aus, prügelt euch gegen etwas Kleingeld durch die Kneipen des Landes und und und. Die Spielwelt von TW3 und deren Möglichkeiten sind eine wahre Meisterleistung!

Auch beim Schwertkampf kann der Hexer überzeugen. Wer stumpf auf Tasten haut, hat schon verloren. Der taktische Ansatz der Kämpfe geht voll auf. So müsst ihr steht’s vorsichtig auf den richtigen Moment zum Zuschlagen lauern und entsteht so ein wahrer Schwerttanz, der sich nicht nur gut spielt, sondern auch dank butterweicher Animationen hervorragend aussieht. Insgesamt wirkt das Gameplay sehr stimmig, durchdacht und hat mir einfach unglaublich viel Spaß gemacht. Für ein Rollenspiel dieser Größe spielt sich TW3 hervorragend. Obwohl das leider nicht auf alle Aspekte des Spiels zutrifft. Die Steuerung des treuen Gauls Plötze geht etwas hakelig von der Hand und auch die kleinen Boote hätten ruhig etwas schneller durch die See pflügen können. Auch verschenkt TW3 einiges bei den Komfort-Funktionen. Die Menüs und vor allem das Inventar sind viel zu verschachtelt und lassen sich viel zu umständlich bedienen. Vor allem aber das Crafting ist mir persönlich zu kompliziert und unübersichtlich umgesetzt. Auch die Charakterentwicklung hätte etwas üppiger ausfallen können. Aber das sind alles nur kleine Makel, die mich beim Spielen kaum gestört haben.

Kaum etwas zu meckern, gibt es bei der technischen Umsetzung des Spiels. Was gab es nicht schon wieder für Diskussionen um ein Grafik-Downgrade. Ja, die Trailer sahen besser aus. Das heißt aber nicht, dass TW3 kein wunderschönes Spiel geworden ist. Egal ob ihr durch die Sümpfe Temeriens, die mittelalterliche Stadt Novigrad oder die zerklüfteten Klippen von Skellige streift, die Landschaften sehen großartig aus. Hochaufgelöste Texturen, eine tolle Weitsicht und eine grandiose Lichtstimmung machen TW3 zum bisher schönsten Spiel der aktuellen Konsolengeneration. Auch die Charaktermodelle sehen fantastisch aus. Einzig etwas zu häufig auftretende Clipping-Fehler und vereinzelt auftretende Bugs trüben das technische Gesamtbild. Für ein Spiel dieser enormen Größe läuft TW3 erstaunlich reibungslos, auch wenn ich fairer weise zugeben muss, dass ich zwei bis drei Abstürze miterleben musste.

Ganz großes Kino bietet TW3 aber auf der klanglichen Seite. Nicht nur die Charaktere und scheinbar endlosen Dialoge sind hervorragend vertont, sondern vor allem der Soundtrack kann auf ganzer Linie überzeugen. Was da musikalisch abgefiert wird, ist einfach fantastisch. Die Musik im Spiel ist sogar auf meinem Smartphone zum unterwegs anhören gelandet. Die Palette reicht von episch und brachial bis hin zu ruhig und verspielt. So und nicht anders müssen Spiele (und Filme) untermalt werden! Wenn man dann noch stimmige Umgebungsgeräusche wie Platschen in den Sümpfen, Vogelzwitschern in den Wäldern und das Gerede in der Stadt hinzunimmt, ergibt sich ein klangliches Gesamtbild, dass auf ganzer Linie überzeugen kann.

Hier wie immer das Video zum Review:


The Witcher 3 ist dank seiner vielen großen und kleinen, tollen Geschichten, seiner glaubhaften Spielwelt und der grandiosen technischen Umsetzung das beste Rollenspiel, das ich bisher gespielt habe. Es ist sogar bisher ganz klar das beste Spiel der aktuellen Konsolengeneration und zählt auch mit Sicherheit darüber hinaus zu einem der Meilensteine dieses Mediums. Ist es ein perfektes Spiel? Nicht ganz, denn vor allem bei den Komfort-Funktionen verschenken CD Projekt Red etwas Potential. Nichtsdestotrotz konnte der Hexer meine Erwartungen  sogar noch übertreffen. Von daher, KAUFEN UND SPIELEN!

Pro:

+ lange und gut erzählte Story

+ unzählige, spannende Nebengeschichten

+ riesiger Umfang

+ organische und glaubhafte Spielwelt

+ merkbarer Einfluss auf die Geschichte und Spielwelt

+ überzeugendes, actionreiches Gameplay

+ grandiose technische Umsetzung, das Spiel sieht fantastisch aus

+ sogar noch besserer Soundtrack

Kontra:

- unübersichtliches und umständlich zu bedienendes Menü und Inventar

- unnötig kompliziertes Crafting

- eher rudimentäre Charakterentwicklung

- einige Bugs und Clipping-Fehler

Wertung: 9,5/10



Ein paar kleine Mängel und fehlender Komfort lassen The Witcher 3 nur ganz knapp an der Höchstpunktzahl vorbeischrammen.


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