After Life: tot oder lebendig?


Liam Neeson ist vor allem für seine Action-Rollen der letzten Jahre bekannt. In After Life schlüpft er in die Rolle des ruhigen Bestatters Elliot, der anscheinend die Gabe besitzt mit den Toten zu sprechen und sie auf ihren letzten Weg zu begleiten. Agnieszka Wójtowicz-Vosloo (was für ein Name) inszeniert so einen Mystery-Thriller bei dem nie ganz klar ist, woran man als Zuschauer nun eigentlich ist. Gelingt ihm ein großer Wurf oder verliert sich der Film in der eigenen Prämisse? Finden wir es heraus!

Nach einem Streit mit ihrem Freund Paul flüchtet sich die junge Lehrerin Anna in ihr Auto und rast davon in das schlechte Wetter. Nach einem Unfall erwacht sie auf einer Trage. Über ihr steht Elliot Deacon. Er ist Bestatter von Beruf und er sagt ihr, dass sie tot. Das kann Anna natürlich nicht glauben. Wie kann sie tot sein, wenn sie doch noch atmet und spricht. Doch Elliot behauptet er hätte eine seltene Gabe und seine Aufgabe sei es die Toten auf ihren letzten Weg zur ewigen Ruhe zu begleiten. Nach und nach fügt sich Anna ihrem Schicksal. Doch ist sie wirklich tot oder spiel dieser Elliot ein perfides Spiel mit ihr?

Und diese grundlegend recht einfache Story macht richtig Spaß. Bis zum Ende ist man sich als Zuschauer nie sicher, ob Anna nun wirklich tot ist oder einem psychopatischen Mörder zum Opfer gefallen ist. Der Film hütet sich auch davor das Ganze am Ende irgendwie aufzulösen. Das wird dem Zuschauer überlassen und das finde ich auch ganz gut so, denn ich glaube kaum, dass es dem Film gelungen wäre zu einem zufriedenstellenden Fazit zu gelangen.

Nur verstrickt sich die Erzählung leider in zu viele Nebenschauplätze und versucht zu krampfhaft mysteriös und schaurig zu sein. So kommt ein kleiner Junge mit ins Spiel, der die gleiche Gabe wie der Bestatter zu haben scheint. Oder haben beide einfach nur die gleiche Macke? Klare Hinweise für ein Verbrechen wechseln sich mit geisterhaften Erscheinungen ab, die in vielen Momenten eher unfreiwillig komisch als wirklich gruslig wirken. Ich finde es schade, dass sich der Film nicht voll auf dieses ungewisse Katz- und Maus-Spiel zwischen Bestatter/Mörder und Toter/Opfer eingelassen hat und dabei auf diesen übernatürlichen Schnick-Schnack verzichtet.

Das hat er nämlich dank eines starken Liam Neeson und einer tollen Christina Ricci gar nicht nötigt gehabt. Liam Neeson schafft es perfekt diese zwielichtige Person auf den Bildschirm zu bringen und die Zuschauer über dessen wahre Natur im dunklen zu lassen. Vor allem Riccis Kampf gegen den Tod macht Spaß beim Zusehen. Dass sie dabei die meiste Zeit kaum oder sogar gar nicht bekleidet umherwandert, ist auch nicht unbedingt schlecht… Auch Justin Long als trauernder und zweifelnder Freund hat mir sehr gut gefallen.

So bleibt After Life unterm Strich ein interessanter Mystery-Thriller, der zu krampfhaft versucht die Mystery-Schiene zu bedienen. Das hätte er wie erwähnt gar nicht nötig gehabt und es stört eher das Gesamtbild. Nichtsdestotrotz hat mir After Life erstaunlich viel Spaß gemacht und vor allem das offene Ende empfand ich als sehr passend. Kann ich eine Empfehlung aussprechen? Ich denke schon!

Pro:

Kontra:

+ spannende Geschichte
- zu viel übernatürlicher Schnick-Schnack
+ skurrile Charaktere
- einige Aspekte kaum ausgereift
+ offenes Ende frei für Interpretationen
- verlässt sich selbst nicht auf die gute Idee
+ gute schauspielerische Leistungen


Wertung: 7/10

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