Machen Publisher unsere Spiele kaputt?



Die Videospiel-Industrie ist im Wandel und das leider nicht unbedingt nur zum Guten. Spiele werden immer schneller und größtenteils unfertig oder mit gestrichenen Inhalten auf den Markt geworfen. Serien und große Namen werden ausgeschlachtet bis zum Gehtnichtmehr. Seuchen wie riesige First Day Patches, In-Game Käufe, überteuerte DLCs oder unübersichtliche Vorbesteller-Boni gehören mittlerweile zum Alltag. Und immer werden Publisher wie EA oder Ubisoft als die Bösen dargestellt. Aber stimmt das oder gibt es doch einen anderen Schuldigen?

Die Videospiel-Industrie ist heiß umkämpft. Egal ob es sich um bekannte Konkurrenzkämpfe wie COD vs. Battlefield oder LOL vs. DOTA handelt, mittlerweile ist die Auswahl an brauchbaren Spielen und großen Blockbuster-Produktionen so groß, dass Entwickler und vor allem auch Publisher richtig tief in die Taschen greifen müssen. Story, Grafik, Gameplay, ja sogar bekannte Schauspieler müssen erst einmal bezahlt werden. Deadlines werden immer wichtiger. Das neue Call of Duty erscheint demnächst? Wir müssen schneller sein! Das Team größer machen? Zu teuer! Mehr Zeit investieren? Zu teuer und wir verlieren den Anschluss! Was hat das zur Folge? Spiele werden unfertig auf den Markt gerotzt und nach und nach mit Updates gerade gebogen.

Teilweise kann ich die Publisher hier auch verstehen, trotzdem muss ich das nicht gut finden. Zudem kommt, dass wir Spieler uns auch selbst an die Nase fassen müssen. Kaum wir bekannt, dass ein Spiel um ein oder zwei Wochen verschoben wird, ist der Aufschrei in der Community groß. Warum? Wenn das Spiel dadurch besser wird, wieso nicht? Natürlich freut man sich auf das lang ersehnte Game, das schon Monate im Voraus spektakulär vorgestellt wurde. Aber ist es wirklich so schlimm noch ein wenig länger zu warten?

Da sind wir gleich beim nächsten Punkt. Spiele werden meiner Meinung nach viel zu früh promoted und angekündigt. Man will ja auch nach und nach den Hype-Train starten. Das hat aber auch zur Folge, dass erstens echte Überraschungen ausbleiben und zweitens viel zu hohe Erwartungen erzeugt werden. Warum kann man nicht einmal ein Spiel vorstellen und gleich sagen: „So Leute und jetzt kauft es euch sofort nach der Veranstaltung. Es ist fertig!“. Erfolge wie P.T. oder auch das Mobile Game Fallout Shelter haben gezeigt, dass es so funktionieren kann. Man spart sich Geld für die Vermarktung, kann in Ruhe entwickeln und der Überraschungseffekt ist enorm. Aber auch hier müssen wir Spieler uns an die Nase greifen. Wir wollen doch immer sofort Neuigkeiten erfahren. Verzehren uns nach Trailern und ersten Gameplay-Aufnahmen. Warum lassen wir uns nicht einfach einmal überraschen?

Kommen wir zu DLCs. Wenn Spiele also immer schneller auf den Markt kommen müssen, werden unweigerlich Inhalte gestrichen. Im digitalen und permanent vernetzten Zeitalter ist ja auch kein Problem Inhalte noch nachzureichen. Prinzipiell habe ich nichts gegen DLCs, wenn sie genügend Umfang bieten, wenn sie nicht zu teuer sind und ich nicht merke, dass sie extra gestrichen wurden, um später nochmal abzukassieren. Im Fall vom großartigen Bloodborne DLC oder dem DLC zu The Witcher 3 sieht man auch ganz gut, dass DLCs nichts Schlechtes sein müssen. So bekommt der Entwickler und der Spieler die Möglichkeit sein geliebtes Spiel auch nachträglich zu erweitern. Nur merkt man leider mittlerweile viel zu oft, dass Inhalte mit Absicht aus dem Hauptspiel entfernt wurden nur um später nochmal zur Kasse zu bitten. Beispiele sind hier unter anderem Destiny oder Evolve. Bei Destiny merkte man es extrem an der Story. Bei Evolve war der Umfang so oder so katastrophal. So etwas darf einfach nicht passieren. Dumm nur, dass auch hier Spieler wieder eher fragwürdig reagieren. Bemängelte man Destiny für seinen Ur-Zustand bekam man immer wieder zu hören „Aber das Spiel wird doch über viele Jahre hin weiter entwickelt!“ Na und?! Rechnet heutzutage niemand mehr mit einem vollständig ausgereiften Spiel? Warum verteidigen wir solche Praktiken?

Noch schlimmer wird es bei In-Game Käufen. Jeder meckert darüber, aber Publisher verdienen sich damit dumm und dämlich. EA hat alleine mit FIFA Ultimate Team im letzten Jahr 650 Mio. US Dollar Umsatz erwirtschaftet. Es gibt also genug Spieler, die für den Mist Geld ausgeben. Kann man einen Verkäufer dafür verantwortlich machen, dass er die Gunst der Stunde nutzt und damit Gewinne erwirtschaftet? Wohl kaum! In Free-to-Play Spielen mögen In-App Käufe noch Sinn ergeben, wenn es nicht Pay-to-Win wird. Ein gutes Beispiel ist hier ganz klar League of Legends. Nur wenn ich in 60 Euro teuren Vollpreis-Titeln mit In-Game Shops bombadiert werde, siehe Assassins Creed Unity oder Dead Space 3, dann platzt mir der Kragen, Aber irgendwie scheint es sich ja zu lohnen, sonst macht sich niemand die Mühe so etwas überhaupt zu implementieren.

Machen geldgierige Publisher also unsere Spiele kaputt? Indirekt schon, aber wir Spielen machen den Scheiß doch auch mit! Wenn wir weiter seltene Münzen oder kosmetische Artikel für Echtgeld nachkaufen, werden Entwickler solche Mechaniken mit einbinden. Wenn wir weiter auf einen festen Release-Termin bestehen und ausrasten, wenn es zu Verschiebungen kommt, sind wir selbst daran schuld, wenn Spiele unfertig erscheinen. Ich will EA und Co nicht verteidigen, denn unsere eigene Blödheit eiskalt auszunutzen und keine feine Art. Aber die Zukunft unseres Genres haben wir immer noch selbst in der Hand!

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