Warcraft – The Beginning: bombastischer Auftakt


Schon in meinem letzten Beitrag habe ich geschrieben, dass Videospielverfilmungen keinen besonders guten Ruf haben. Duncan Jones hatte nun also die Ehre eines der größten Gaming Franchise überhaupt auf die große Leinwand zu bringen. Die ersten mit schlechtem CGI überladenen Trailer ließen nichts Gutes erahnen. Doch seitdem ist einige Zeit vergangen und endlich dürfen wir uns Warcraft im Kino anschauen und uns ein eigenes Bild machen. Ist der Krieg zwischen Orcs und Menschen genauso spannend wie auf dem PC oder erfüllt auch Warcraft das übliche Videospielfilm-Klischee?

Der Zusatztitel The Beginning passt wie die Faust aufs Auge. Denn der Film ist erzählerisch tatsächlich nichts weiter als ein Auftakt, der uns in die neue Fantasy Welt mit all seinen Charakteren vorstellen möchte. So endet er auch nach knapp zwei Stunden genau dann, wenn die Geschichte erst richtig an Fahrt gewonnen hat. Lohnt sich aber das Warten auf einen nächsten Teil? Ooooh ja!

Denn so dünn wie die Story auch sein mag, sie wird fantastisch inszeniert. Man muss kein Warcraft Fan sein, um tatsächlich alles zu verstehen, aber es hilft. Der Film beginnt mit der Horde, angeführt von Gul’dan, die über ein Portal in Azeroth einfällt. Ihre Welt wurde zerstört und so sind sie auf der Suche nach einer neuen Heimat. Doch Gul’dan hat noch ganz andere Pläne. Auf der anderen Seite stehen aber due Königreiche der Menschen, Elfen und Zwerge, die sich nun mit dem unbekannten Feind auseinandersetzen müssen. So beginnt also ein Krieg, der erst seinen Anfang genommen hat und noch lange die Welt von Warcraft heimsuchen soll.

Was sofort auffällt ist, dass Jones unbedingt beide Seiten ausreichend beleuchten wollte. Damit weicht er vom üblichen arme Menschen, böse Orcs Schema ab und porträtiert die Orcs als heimatlose Riesen, die mit Konflikten und Verrat in den eigenen Reihen zu kämpfen haben. Auch der Seiten der Allianz ist aber nicht alles heldenhaft. Die Rassen streiten und auch unter ihnen scheint sich ein Verräter zu befinden. Insgesamt ist die Einführung der beiden Seiten extrem gut gelungen und man darf gespannt sein, wo die Reise hingeht.

Was sogar noch besser gelungen ist, ist die optische Darstellung und die Inszenierung. Warcraft zeichnet sich durch einen ganz eigenen, unverkennbaren Look aus. Der Film fängt diesen in jeder einzelnen Szene perfekt ein. Wichtige Ortschaften wir Sturmwind erkannt man sofort wieder. Duncan Jones erschafft so immer wieder beeindruckende Panoramen, die er mit ansehnlichen Kamerafahrten in Szene setzt. Nur wechselt man so oft und schnell den Schauplatz, dass es unmöglich ist eine Bindung zu den einzelnen Orten aufzubauen. Ich hätte gerne viel mehr von Sturmwind gesehen!

Das wahre Highlight sind aber die Orcs. Die sehen mit all ihren Kriegstrophäen und ihren Muskelbergen einfach großartig aus! Hinzu wirken sie im Vergleich zu Menschen extrem mächtig und auch beim Sound wird das jederzeit deutlich. Ihr Stampfen wird durch satte Bässe durch den Kinosaal transportiert. Wenn ihre schweren Hammer auf die Schilder der Menschen schlagen, dann vibriert der Kinosessel und man spürt förmlich die brachiale Wucht, mit der diese Riesen vorgehen. Selten wurden Kämpfe so bombastisch inszeniert. Dazu kommt dann noch der treibende, epochale Soundtrack und das Kinoerlebnis ist perfekt.

Auch in puncto Zaubereffekte stellt Warcraft neue Maßstäbe auf. Bildschirmfüllende Blitzgewitter, farbenfrohe Portale und Feuerzauber sehen einfach fantastisch aus. Dafür lohnt sich auch das richtig gut umgesetzte 3D.

Was bietet Warcraft aber Fans der Spiele? Nun ja wie bereits ausführlich beschrieben, ist der erste Punkt ganz klar die Optik. Die Essenz von Warcraft wurde perfekt eingefangen und spiegelt sich überall wieder. In Rüstungen, im Waffendesign, sogar die Reittiere wie die Greifen oder riesige Wölfe sind perfekt umgesetzt. Wirklich freuen werden sich Fans der Spiele bei all den kleinen Details. Da sitzt zum Beispiel ein Murlok am Wegesrand und ein ganz spezieller Zauber darf natürlich auch nicht fehlen.

Schauspielerisch habe ich auch überhaupt nichts auszusetzen. Zwar wird hier niemand einen Oscar für seine Leistung erhalten, aber es macht Spaß den Schauspielern bei der Arbeit zuzusehen. Vor Travis Fimmel, den man aus der Serie Vikings kennt, hat mir als Kommandant Lothar richtig gut gefallen. Aber auch Paula Patton als Halbblut und Aussässige der Orcs macht einen richtig  Job.

Wie immer gibt es an dieser Stelle noch das Video:


Warcraft – The Beginning trägt den größten Schachpunkt bereits im Titel. Es ist nur ein Anfang, der vor allem erzählerisch noch sehr viel Raum für Verbesserung lässt. So verlässt sich der Film voll und ganz auf seine bombastische Inszenierung und den perfekt getroffenen Look der Warcraft Spiele. Die knapp zwei Stunden fliegen nur so an einem vorbei und am Ende will man mehr sehen! Ich kann es kaum erwarten, wie es hier weitergeht und hoffe, dass wir bald einen weiteren Warcraft Film bekommen. Wenn der Assassins Creed Film in dieselbe Richtung geht, dürfte das Videospielfilm-Vorurteil bald ausgehebelt werden.

Pro:

Kontra:

+ Orcs und Menschen werden beide sehr gut porträtiert
- kaum Story, die auch noch sehr vorhersehbar ist
+ bombastische Inszenierung und Optik
- endet mit einem gemeinen Cliffhanger
+ Look der Spiele perfekt getroffen
- Ich hätte gerne mehr von den Zwergen oder Elfe gesehen
+ viele lustige Details für Kenner der Spiele
- zu schnelle Ortswechsel lassen keine Bindung zu
+ Größe und Stärke der Orcs jederzeit spürbar

+ passende Besetzung

+ Magieeffekte als neue Referenz

+ fantastischer Sound

+ sehr gutes 3D


Wertung: 8/10


 ICH WILL MEHR DAVON!

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