Rise of the Tomb Raider: Hat sich das Warten gelohnt?


Ein ganzes Jahr mussten PS4 Spieler auf das neueste Abenteuer der Videospielikone Lara warten. Um den Titel nochmals aufzugreifen, hat sich das Warten denn auch gelohnt? Pünktlich zum 20. Geburtstag erscheint Rise of the Tomb Raider nun endlich auch auf der PS4 und bringt neben dem Hauptspiel auch sämtliche Zusatzinhalte auf Sonys Heimkonsole. Der Reboot hat mir damals richtig gut gefallen und ob das zweite Abenteuer der neuen Lara nun genauso überzeugen kann, erfahrt ihr in diesem Test. Viel Spaß!

Kindheitstrauma


Während Lara im letzten Abenteuer eher unfreiwillig zur knallharten Schatzjägerin wurde, wird sie nun sie nun von einem Kindheitstrauma getrieben. Ihr Vater war damals auf der Suche nach der verlorenen Stadt Kitesch und der Quelle des Ewigen Lebens. Das hat seinen Ruf in Fachkreisen komplett zerstört und ihn vermutlich in den Selbstmord getrieben. Lara will viele Jahre später den Ruf ihres Vaters und den Namen Croft wieder reinwaschen. Dabei folgt sie den Spuren ihres Vaters nach Syrien und Sibirien, wo sie schließlich auch die Bekanntschaft mit der Organisation Trinity macht. Trinity ist ein fanatischer, christlicher Orden, der die Quelle ebenfalls um jeden Preis finden möchte. So beginnt ein actiongeladener Wettlauf und erneut muss Lara ums blanke Überleben kämpfen und das ein oder andere Rätsel lösen.

Wirklich Oscar würdig ist die Story von Rise of the Tomb Raider nicht. Sämtliche Motive sind sehr einfach gestrickt. Der Böse, ist nun ja, einfach nur richtig böse. Zwar wird auch hier versucht über familiäre Bindungen dem Antagonisten etwas Tiefe zu verleihen, aber so ganz will das nicht aufgehen. Spannende und überraschende Wendungen gibt es nicht wirklich. Auch wenn die Erzählung sich redlich bemüht solche zu erzeugen, sieht man diese doch schon zu früh kommen. Das neue Tomb Raider erzählt die typische Indiana Jones Geschichte mit viel Krach-Bumm, plus ein wenig Mystery und einem Hauch Gefühl. Mir persönlich ist das Ende auch etwas über das Ziel hinaus geschossen, aber im Ganzen wurde ca. 12 Stunden lang bestens unterhalten.

Rätseln, Klettern und Kämpfen


Viel wichtiger als die Story ist aber wie immer das eigentliche Gameplay. Hier baut Rise of the Tomb Raider auf die Stärken des Vorgängers auf und verfeinert diese weiter. So liegt der Fokus nun gefühlt mehr beim Klettern und Rätseln als bei den kurzweiligen Feuergefechten. Eine Entwicklung, die ich voll unterstützen kann, da man sich so auch weiter von der Uncharted-Reihe abgrenzen kann. Trotzdem machen die Feuergefechte richtig Spaß. Die Waffen fühlen sich gut an, das Treffer-Feedback ist sehr gut und auch die Gegner verhalten sich größtenteils recht clever. Es ist nur schade, dass Lara nicht aus der Deckung oder einfach aus der Hüfte feuern kann. Viel lieber habe ich aber auch den Schleichansatz gewählt. Sich unbemerkt an Gegner heranschleichen und ausschalten macht extrem viel Spaß. Vor allem euer Bogen ist hier ein äußerst nützlichen Werkzeug. Auch wenn hier ich ehrlich sagen muss, dass vor allem die Giftpfeile ein klein wenig over powered sind. Damit lassen sich im Handumdrehen ganze Gegnermassen ausschalten.

Beim Klettern kann Lara wieder mit einer präzisen Steuerung und allerhand Hilfsmitteln wie den bekannten Seilpfeilen oder Eispickeln aufwarten. Die Klettereinlagen machen damit weiterhin eines riesen Spaß, wirken aber genretypisch etwas zu geskriptet und wie auf Schienen umgesetzt. Etwas mehr Freiheit wäre wünschenswert.

Eine neues Werkzeug stellen unter anderem Breitkopfpfeile dar, die Lara nutzen kann, um sich eine provisorische Treppe zu bauen. Die Idee ist super, die Umsetzung leider ein wenig zu fummelig.

Sammeln und Basteln


Wie im Vorgänger besteht die Welt von Rise of the Tomb Raider aus mehreren, relativ großen und offenen Gebieten, die durch Schläuche miteinander verbunden sind. In diesen offenen Gebieten erhaltet ihr unter anderem Quests, findet Zugänge zu optionalen Herausforderungsgräbern (die ganz klar zu den Highlights des Spiels gehören), geht auf die Jagd oder sammelt einfach allerhand Material. Und genau beim Sammelwahn gleitet Rise of the Tomb Raiser leider in Ubisoft’sche Gefilde ab. Wenn ihr ein neues Gebiet zum ersten Mal betretet, werdet ihr von Symbolen, offenen Aufgaben und Sammelobjekten gerade zu bombardiert. Für mich war das schon zu viel des Guten. Während viele der auffindbaren Relikte interessante Nebengeschichten erzählen, nervt die Suche nach den Goldmünzen. Nerviger ist, dass nach dem Abschluss der Kampagne ein Fortschritt von 82 Prozent angezeigt wird, weil man noch nicht alle Collectables gefunden hat. So etwas stört mich! Ich verspüre aber auch nicht den Drang jeden noch so kleinen Winkel der Welt nach ein paar Münzen abzusuchen.

Warum sollte man dem Sammelwahn aber dann doch ab und zu nachgeben? Um an die wichtigen Rohstoffe zum Aufrüsten von Laras Waffen und Ausrüstung zu gelangen. Mit Fellen, Feder, Waffenteilen und Co. kann Lara alle ihre Waffen mit verschiedenen Verbesserungen, wie größere Magazine oder mehr Schaden ausstatten, sowie die größere Rucksäcke und Halfter schneidern. Dieses Aufrüsten macht Spaß und motiviert. Nur braucht man irgendwann so viele Rohstoffe, dass das Ganze richtig in Arbeit ausarten kann.

Grafik & Sound


Audiovisuell ist Rise of the Tomb Raider eine Wucht. So zaubert das Spiel teilweise atemberaubende Kulissen auf die PS4. Auch Charaktermodelle können mit vielen Details, weichen Animationen und einer überzeugenden Mimik überzeugen. Vor allem Lara sieht in vielerlei Hinsicht einfach richtig gut aus! Dieses gute Bild zeigt sich gleich zu Beginn als ihr eine gefährliche Kletteraktion an einem eisigen Berghang wagt und zieht sich bis zum optisch bombastischen Ende weiter durch.

Aber nicht nur für die Augen, sondern auch für die Ohren wird einiges geboten. Nora Tschirner wurde (zum Glück) als Synchronsprecherin für Lara abgelöst. Die neue deutsche Synchronstimme Maria Koshny macht einen hervorragenden Job. Aber auch die anderen Charaktere sind hervorragend vertont. Der Soundtrack ist genretypisch die meiste Zeit stark auf Epik ausgelegt und hat keinen bleibenden Eindruck hinterlassen. Dafür können aber Waffen- und Umgebungssounds voll überzeugen. Spielt mit Kopfhörern! Was euch dabei in besten Surround-Sound um die Ohren fliegt ist großartig. In puncto Sounddesign wird hier alles rausgeholt!

Durchwachsene Zusatzinhalte


Da wir PS4-Spieler lange auf das Spiel warten mussten, wurden als Entschädigung sämtliche DLCs mit beigelegt. Diese hinterlassen einen gemischten Eindruck. Der DLC zur Hexe Baba Yaga ist zwar erzählerisch echt interessant und kann mit einigen netten, optischen Überraschungen aufwarten, fällt dafür aber mit einer Länge von ca. 2 bis 3 Stunden sehr kurz aus. Die restlichen zusätzliche Inhalte wie zum Beispiel der Blutsbande DLC sind sogar noch kürzer. In Summe bekommt man dann zwar doch etwas Mehrwert, aber dass man als PS4-Spieler nun tatsächlich extrem viel mehr bekommt, kann ich aber auch nicht behaupten.

Und hier wie immer das Review als Video. Viel Spaß!


Fazit


Rise of the Tomb Raider ist die konsequente Weiterentwicklung des gelungen Vorgängers. Auch wenn die Erzählung keinen vom Hocker reißen wird, so weiß sie doch anständig zu unterhalten. Vor allem beim flüssigen und abwechslungsreichen Gameplay, der Grafik und beim bombastischen Sound trumpft das Spiel voll auf. Für zukünftige Titel wünsche ich mir aber weniger Sammelobjekte und Spielenden, die nicht nur aus Shooter-Passagen bestehen. Trotz der wenigen Kritikpunkte hat sich das Warten auf Rise of the Tomb Raider definitiv gelohnt. Lara braucht sich nicht neben dem Grene-Kollegen Nathan Drake zu verstecken. Abenteuer-Fans? Zugreifen!

Pro:

Kontra:

+ unterhaltsame Story
- … die aber arm an Wendungen und echten Höhepunkten ist
+ angenehm lange Spielzeit

+ großartiges Gameplay weiter verfeinert

+ keine zu langen Shooter-Einlagen

+ Klettern dank vieler Hilfsmittel sehr abwechslungsreich
- … wenn euch etwas zu einfach und „wie auf Schienen“
+ offene Areale laden zum Erkunden ein
- ... zu viele sammelbare Objekte (Ubisoft’sche Syndrom)
+ Aufrüsten ist motivierend und sinnvoll
- … teils zu viele benötigte Materialien
+ bombastische Inszenierung

+ detaillierte Charaktermodelle und Landschaften

+ bombastischer Sound
- … Soundtrack dafür ohne wirkliche Höhepunkte
+ DLCs bieten insgesamt viel zusätzlichen Content
- … schwanken aber in der Qualität


Wertung 8,5 /10



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