Zhiyun Smooth Q: Wirklich smooth?



Auf der Suche nach einer neuen Videokamera keimte in mir der Gedanke voll und ganz auf das iPhone X zu setzen. Ich wollte nun aber nicht einfach mit dem Smartphone in der Hand losfilmen, sondern doch ein wenig professioneller an die Sache herangehen. Ein Gimbal musste also her. Der Zhiyun Smooth-Q lockt dabei mit einem extrem interessanten Preis. Doch ist der Smooth-Q für 109 Euro wirklich eine smoothe Sache? Das erfahrt ihr in diesem Testbericht.

Design & Verarbeitung

Der Smooth-Q erinnert äußerlich stark an den großen Konkurrenten von DJI, setzt jedoch auf preiswertere Materialien. So kommt hier vorrangig Plastik zum Einsatz. Das wirkt auf den ersten Blick natürlich nicht sehr wertig, hilft aber den Gimbal angenehm leicht zu halten. So bringt er (ohne Smartphone) gerade einmal 440g auf die Waage und liegt damit nicht zu schwer in der Hand. Ich hätte mir aber gewünscht, dass der Griff ein wenig rauer oder gar gummiert wäre. Denn so ist der Kunststoff doch recht rutschig und man muss aufpassen den Gimbal samt Telefon nicht fallen zu lassen.

An der grundlegenden Verarbeitung habe ich aber absolut gar nicht auszusetzen. Die Druckknöpfe sind wunderbar verarbeitet und geben ein gutes haptisches Feedback. Die Smartphone-Halterung wirkt solide und hält das Smartphone sicher und zuverlässig fest. Auch knarzt der Gimbal beim Verwenden ganz und gar nicht wie andere Tester behaupten. Für 109 Euro ist der Smooth-Q von außen betrachtet definitiv sein Geld wert.

Ein großer Vorteil des Smooth-Q ist aber die große Bewegungsfreiheit. So könnt ihr den Smooth-Q horizontal um 360 Grad schwenken oder das Smartphone auch vertikal einsetzen. Ich bin absolut kein Fan von Hochkant-Videos, aber dieses Feature kann so auch genutzt werden, um eine Action-Cam im Gimbal zu befestigen. Und das ist verdammt hilfreich. Das ist ein Feature, das DJI erst mit dem OSMO Mobile 2 nachgerüstet hat. Bei den maximalen Bewegungsradien ist Zhiyun dem Konkurrenten sogar noch voraus.

Auf der Unterseite findet ihr zudem ein Standard-Stativgewinde. Damit lässt sich der Smooth-Q auch ganz einfach auf ein Stativ setzen. So lassen sich dann wunderbar die Zusatzfunktionen nutzen, aber dazu später mehr. Auch Zusatzhardware, wie ein externes Mikrofon lässt sich so zum Beispiel befestigen. Sehr praktisch!

Funktion

Wozu braucht man einen Smooth-Q aber überhaupt? Mit Hilfe der drei Elektromotoren wird das Smartphone in allen drei Achsen stabilisiert, wodurch ruckel- und wackelfreie Aufnahmen möglich sein sollen. Und das funktioniert beim Smooth-Q wunderbar. Bewegungen werden vom 3-Achs-Gimbal ohne große Probleme ausgeglichen. Die Kamera scheint so durch das Bild zu schweben, was eure Aufnahmen sofort professioneller erscheinen lässt.

Über den Mode-Button könnt ihr zudem zwischen verschiedenen Modi wechseln. Standardmäßig seid ihr im Pan-Follow Modus. Dabei ist die Neigung der Kamera fixiert, der Gimbal folgt aber Bewegungen zur Seite. Drückt ihr einmal auf den Mode Knopf gelang ihr in den Lock Modus. Dieser behält die Blickrichtung stur bei. Ein Doppelklick führt in den Follow Mode. Bei diesem werden alle Bewegungen langsam nachvollzogen. Also schwenkt der Gimbal auch mit nach oben und unten. Drückt ihr sogar dreimal auf den Mode Knopf dreht die Kamera um 180 Grad und ihr seid im Selfie-Modus. Das Wechselnd er verschiedenen Modi geht einfach von der Hand und hat in meinem Fall immer reibungslos funktioniert. Je nach eingestelltem Modus kann der Joystick verwendet werden, um die Blickrichtung oder auch die Neigung eurer Kamera anzupassen.

Was man bei solchen Gimbals allerdings nicht vergessen darf, sind die Probleme bei bereits stabilisierten Kameras. Ich filme mit einem iPhone X und da dessen Optiken bereits stabilisiert sind, kann es zu unschönen „Wobbel-Effekten“ kommen. Die Stabilisierung des iPhone und des Gimbals behindern sich so gegenseitig. Leider kann man den Stabilisator am iPhone nicht ausschalten. Am besten funktioniert der Gimbal also mit Telefonen, die keine eigene Stabilisierung haben.

Die Akkulaufzeit wird von Zhiyun mit 12 Stunden angegeben. Ich habe ihn bisher einmal geladen und schon paar Stunden verwendet, sowie einige Tage ungenutzt liegen lassen und die Akkuanzeige ist immer noch so gut wie voll. Also da mache ich mir absolut keine Sorgen.

Software

Der Gimbal lässt sich natürlich komplett ohne weitere Software verwenden. Einfach Handy rein, mit Hilfe der Stellschraube ausbalancieren, einschalten und mit der Standard-App losfilmen. Doch sein ganzes Potential schöpft der Smooth-Q in Verbindung mit der ZY Play App aus. Per Bluetooth wird der Gimbal gekoppelt und in der App lassen sich nun Aufnahmeeinstellungen wie die Auflösung oder Bildrate festlegen. Aber auch die Reaktionsgeschwindigkeit der Motoren lässt sich hier problemlos anpassen.

Ist der Gimbal mit der App verbunden, lassen sich die Aufnahmen dann auch über den Record-Knopf direkt am Gimbal starten und beenden. Auch ein optischer Zoom ist mit an Board, aber davon rate ich persönlich wieder ab.

Den großen Nachteil der App gleich vorweg. Aufnahmen werden nicht direkt sichtbar, sondern müssen erst aus der App in eure Galerie geladen werden. Das ist leider sehr umständlich.

Diese App bietet aber noch weiter echt interessante und nützliche Funktionen. So könnt ihr eine Objektverfolgung aktivieren, indem ihr einfach einen Rahmen um das gewünschte Objekt aufzieht. Der Gimbal folgt nun automatisch den Bewegungen des Objektes. Das funktioniert bei langsamen Bewegungen sehr gut. Wird das Objekt sehr schnell, hat der Gimbal so seine Probleme dranzubleiben.

Außerdem könnt ihr vollautomatisierte Schwenks ausführen lassen. Einfach Start- und Endposition, sowie die Dauer festlegen und der Gimbal übernimmt den Rest für euch. Das funktioniert dann auch als Zeitrafferaufnahme. Bewegte Zeitrafferschwenks über Landschaften sind damit absolut kein Problem mehr. Großartig!

Natürlich dürft ihr auch hier ein Video anschauen.

Fazit

Der Smooth-Q macht was er soll und das sogar verdammt gut. Betrachtet man den aktuellen Preis von 109 Euro ist das hier sogar ein verdammt gutes Angebot. Sein größter Konkurrent ist der kürzlich veröffentlichte DJI OSMO Mobile 2, welcher für 149 Euro zu haben ist. Rein technisch betrachtet sind die beiden so gut wie identisch. Die DJI App sollte der Zhiyun allerdings noch überlegen sein. Auch ist die Marke hierzulande bekannter. Einen Vergleich beider Systeme konnte ich natürlich nicht durchführen, aber gemessen an meinen Erfahrungen mit dem Smooth-Q brauche ich nichts Besseres. Der Smooth-Q erfüllt alle meine Erwartungen und ist ein Gadget, das vielen Hobby-Filmern durchaus helfen könnte. Ich mag diesen Smartphone-Gimbal sehr. Auf der anderen Seite sollte man sich aber auch fragen, ob man ihn überhaupt braucht. Die Stabilisierung in den Smartphones an sich ist schon sehr gut und der Mehrwert sollte sich da für die meisten in Grenzen halten. Die Zusatzfeatures und das viel bessere Handling waren mir aber definitiv das Geld wert.

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