PS Vita im Jahr 2017: Meine eigene Nekrophilie?


Ich weiß nicht, ob ich der einzige bin, der die Sony Pressekonferenz der diesjährigen E3 in der Hoffnung auf eine ganz bestimmte Ankündigung verfolgt hat. Mit dem Erscheinen der Switch und dem offensichtlichen Erfolg, wurden auch Gerüchte laut, dass Sony auch an einem neuen Handheld arbeitet. Doch von einer PS Vita 2, oder wie auch immer sie geheißen hätte, fehlt bis heute jede Spur. Schade! Aber brauchen wir unbedingt eine PS Vita 2? Ist das für Sony sinnvoll? Ich liebe meine PS Vita. So sehr sogar, dass ich felsenfest davon überzeugt bin, das diese hübsche, kleine Konsole auch heute noch eine Investition wert ist. Warum? Nun lest weiter!

Tolle Hardware, damals und auch heute noch!

Die originale Playstation Vita erschien Anfang 2012 bei uns in Europa. Beinahe genauso lange ist die Gute nun auch schon in meinem Besitz. Damals war die Kleine eine echte Power Maschine. Zudem war es die erste Handheld-Konsole mit zwei vollwertigen Analog-Sticks. Dazu kamen kleine Spielereien wie ein frontseitiger Touchscreen und das rückseitige Touchpad. Das 5 Zoll große Display der originalen Vita löst zwar „nur“ mit 960 x 544 Pixeln auf. Die Farbdarstellung und die allgemeine Brillanz des Panels ist aber dank AMOLED hervorragend.  Auch in puncto Design musste sich die Vita nicht verstecken. Und das sehe ich auch heute so. Vor allem das 2014 vorgestellte Slim Modell sieht in meinen Augen richtig schick aus. Leider tauschte man nun das hervorragende AMOLED Panel gegen ein etwas schwächeres LCD aus.

Nichtsdestotrotz muss sich die Kleine auch heute nicht verstecken. Unter der Haube steckt immerhin noch genug Power, um den Nintendo 3DS zu verheizen, vor allem die Slim Variante liegt hervorragend in der Hand und mit einer Akkulaufzeit von ca. 4 Stunden braucht man sich auch nicht vor der Switch zu fürchten.

Fehlende Unterstützung und Smartphones

Alleine die Hardware der Vita war und ist auch heute noch wirklich hervorragend. Warum aber wird sie dann immer wieder als Fehlschlag angesehen? Eines vorweg, in Japan ist die PS Vita auch heute noch ein Hit.  Weltweit konnte Sony ca. 15 Millionen Einheiten verkaufen. Ich konnte zwar keine genauen Zahlen finden, aber es ist weithin bekannt, dass der Westen hier nur einen sehr kleinen Anteil hat.

Und da stoßen wir auf das erste Problem, dem fehlenden Support seitens der Spieleentwickler, aber auch seitens Sony. Als die Vita frisch auf den Markt gekommen ist, gab es eine Reihe richtig guter Titel. Vor allem Exklusiv-Titel wie das großartige Uncharted Golden Abyss, Killzone Mercenary oder auch das wunderbare Tearaway haben gezeigt, was man aus der Konsole herausholen kann. Doch leider hat sich das System nicht wie gewünscht verkauft und so sprangen die großen Entwickler und Marken recht schnell wieder ab. Ich persönlich nehme hier vor allem Sony in die Schuld. Die Spiele selbst waren hervorragend. Ein vollwertiges Uncharted Abenteuer unterwegs spielen, neue Welten in Gravity Rush erkunden oder den wohl besten Ableger des Killzone Franchises im Zug zocken, das alles war mit der PS Vita möglich. Aber Sony hat es einfach verpennt, das ordentlich zu vermarkten!

Das zweite große Problem der PS Vita war das Erstarken des mobilen „Gamings“ auf Smartphone und Co. Warum soll man noch mehrere hundert Euro ausgeben, wenn man sowieso jeden Tag ein Gerät mit sich herumträgt, das nicht unbedingt weniger Power hat und wo die Spiele größtenteils sogar noch kostenlos sind. Alleine der Fakt, dass ich „Gaming“ hier in Anführungsstriche setze, zeigt meine Einstellung zu Spielen auf dem Smartphone. Aber das ist meine Ansicht. Das hätte aber auch eine Ansicht sein können, die Sony aufgreift. Warum wurden die Dual-Sticks nicht richtig vermarktet? Sind denn voll ausgereifte Spiele im Gegensatz zu werbeverseuchten Wisch- und Tipp-Orgien kein Argument? Wieder einmal hat Sony hier zu wenig Energie in das Marketing gesteckt.

Der letzte Grund für das Versagen der PS Vita war dann eine Entscheidung, die ich bei aller Liebe zum System bis heute nicht verstehen kann. Sony setzt bei der Vita auf ganz eigene Speicherkarten. Das wäre auch nicht problematisch, wenn die Dinger nur nicht so verdammt teuer wären. Ca. 18 Euro für 4 GB, 50 Euro für 16 GB und sogar über 80 Euro für 32 GB? Das kann doch nur ein schlechter Scherz sein! Leider nein. Warum man nicht wenigstens bei der Slim-Variante den Fehler eingesehen und auf herkömmliche SD Karten umgeschwenkt oder zumindest den Preis gesenkt hat, bleibt ein Rätsel. Wieder einmal hat Sony selbst die Vita ins Grab getragen.

Warum sich die Vita auch 2017 noch lohnt?

Die Vita ist tot. Machen wir uns nichts vor. Schaut man bei Gamestop, Mediamark, Saturn oder sogar Amazon, dann findet man sie so gut wie gar nicht mehr. Und trotzdem bin ich felsenfest davon überzeugt, dass ihr auf der Suche nach eine Handheld, die Playstation Vita nicht außer Acht lassen solltet.

Grund Nummer 1 sind die Spiele. Dass es keine Spiele für die Playstation Vita gibt, habe ich ja schon widerlegt. Der Markt an PS Vita Spielen in prall gefüllt. Es stimmt zwar, dass hier ein Übermaß an JRPG, Visual Novels, Monster Hunter oder Dynasty Warrior ähnlichen Spielen herrscht, aber das ist doch nichts Schlechtes. Viele der Vita RPGs sind hervorragend. Dazu gesellen sich unzählige Remakes alter Playstation Classicer. Alte PS One, PS2 oder auch PSP Titel unterwegs zocken zu können, ist einfach richtig geil! Nach fünf Jahren gibt es für die Vita so viele Spiele, dass ihr euch Monate mit dem System beschäftigen könnt. Ich habe schon zwei Beiträge hier erstellt, in denen ich meine Must Have Vita Spiele vorstelle. Und dabei stelle ich nur einen kleinen Teil meiner eigenen Sammlung vor. Und es kommen ja auch noch Spiele. Zwar sollte niemand ein weiteres Uncharted erwarten, aber der Nachschub an tollen Titeln aus Japan reißt einfach nicht ab. Wenn das euer Ding ist, dann ist die Vita die Plattform eurer Wahl!

Der zweite Grund knüpft an die Spiele an, PS Plus. Die Vita wird monatlich mit mindestens zwei Spielen im PS Plus Abo versorgt. Okay, zwar handelt es sich beinahe immer um Indie-Titel, aber die ein oder andere Perle konnte ich darunter schon finden. So ist zum Beispiel Need for Speed Most Wanted in meiner Sammlung gelandet. Und das war echt kein schlechter Fang!

Ein weiterer nicht zu verachtender Grund ist die Möglichkeit zum Remote Play. Vor allem in Verbindung mit der PS4 entfaltet die Vita ihr volles Potential. Jedes PS4 Spiel kann auf die PS Vita gestreamt werden. Eine stabile Internetverbindung vorausgesetzt, könnt ihr einfach weiterspielen, wenn die Freundin auf einmal ihre Sendung im TV sehen will. Das ist ungemein praktisch, funktioniert in den meisten Fällen hervorragend und ist wieder einmal ein Feature, das zu sparsam vermarktet wurde.

Und der letzte Grund, den ich hier aufführen möchte, ist die beinharte Fanbase der PS Vita. Auch wenn sich das Ding nicht wirklich gut verkauft hat, diejenigen, die eine Vita besitzen, lieben das Teil! Es gibt riesige Foren, die sich mit der Vita und den Spielen auseinandersetzen. Es gibt Firmen, die sich darauf spezialisiert haben, digitale Spiele in limitierten Stückzahlen auf Cartridges zu pressen. Der Support und Liebe zum System ist riesig. Und das spricht auf jeden Fall für die Qualität der PS Vita.

Fazit


Ja, die Playstation Vita ist fünf Jahre alt. Ja, die Vita war kein finanzieller Erfolg und das System ist offiziell tot. Und trotzdem bietet Sonys Handheld auch heute noch sehr viel. Wenn ihr nichts dagegen habt, gebrauchte Geräte zu erwerben, dann kann man schon recht günstig an eine PS Vita kommen. Sollte man die Vita einer Switch vorziehen? Nein. Die Switch ist auf jeden Fall zukunftssicherer. Aber habt ihr euch die Vita schon einmal interessiert angesehen? Dann denkt nicht länger darüber nach und schlagt zu! Es gab nie einen besseren Zeitpunkt sich eine PS Vita zu kaufen!

Beliebte Posts aus diesem Blog

Deadpool: der etwas andere Superhelden-Film

„Echtes“ Android auf dem Amazon Fire HD8 (ohne Root)

Horror Games: Was mir das Fürchten lehrt?