Apple 11‘‘ iPad Pro: Der perfekte PC-Ersatz?


Nach einigen Jahren hat es Apple tatsächlich wieder geschafft in mir dieses „Das muss ich unbedingt haben!“-Gefühl hervorzurufen. Beim iPhone, der Watch oder sogar den AirPods war es eher ein „Ist cool, kaufe ich mir“. Aber dieses neue iPad hat mich innerhalb kürzester Zeit zum Kauf bewegt. Dabei war ich bis dahin mit meinem iPad Air 2 bis auf eine Ausnahme völlig zufrieden. Jetzt habe ich das neue 11‘‘ iPad Pro seit ca. 2 Monaten im intensiven Einsatz und mein erster Eindruck hat sich tatsächlich bestätigt. Warum? Das erfahrt ihr in diesem Testbericht!

Die äußeren Werte

Zur Verarbeitung muss man bei Apple Produkten sowieso kaum etwas sagen, deswegen fange ich gleich damit an. Das iPad ist hochwertig, vermittelt ein tolles Gefühl beim Benutzen und Verarbeitungsmängel konnte ich keine feststellen. Zwar liest man ja immer wieder von verbogenen Geräten, das kann ich so mit meinem Gerät aber nicht bestätigen. Hier ist alles auf dem gewohnten, erstklassigen Niveau.

Designtechnisch hat sich da schon einiges mehr getan und für mich ist das aktuelle iPad Pro das schönste Gerät im gesamten Apple Portfolio. Das kantigere Auftreten gefällt mir extrem gut, der Kamera-Buckel stört absolut gar nicht und vor allem das Display komplettiert das tolle Design.

Dabei ist das Display bei weitem nicht so randlos, wie es immer beschrieben wird, im Vergleich mit dem Air 2 fällt der Fortschritt dann doch extrem auf und ein wenig Rand für ein besseres Handling schadet in meinen Augen auch nicht. Wirklich gelungen sind Apple aber die perfekten Rundungen des Displays, bei denen einzelne Pixel durch spezielle Linsen so verzerrt werden, dass man beim Betrachten keine Kanten erkennen kann. Hinzu kommen die gewohnt hohe Pixeldichte von 264 ppi, die hervorragende Farbdarstellung und Helligkeit, sowie Features wie True Tone. Am meisten begeistert mich aber die von Apple ProMotion getaufte Display-Technologie, die im Grunde eine 120 Hz Bildfrequenz beschreibt. Vor allem im direkten Vergleich zum Air 2 wirkt das Display dadurch sehr viel lebendiger, schneller und schlicht und ergreifend besser. Leider gewöhnt man sich nur sehr schnell an die hohe Bildfrequenz und nimmt es irgendwann gar nicht mehr so sehr wahr.

Was die äußeren Werte des 11‘‘ iPad Pro betrifft, kann ich nichts als Lob loswerden. Genauso müssen Tablets heute aussehen und anfassen lassen!

Die inneren Werte

Zum Glück wird das hervorragende Erscheinungsbild von nicht minder beeindruckenden inneren Werten begleitet.

Der A12X Bionic Chip ist so perfomant, dass das iPad sogar meinen iMac in vielen Punkte das Wasser reichen kann. So ist das Bedientempo unglaublich hoch. Lange Wartezeiten oder gar Ruckler braucht hier niemand zu erwarten. Das iPad Pro ist ein echtes Performance Monster.

Die meisten werden Tablets für einfache Aufgaben wie zum Browsen, für Youtube-Videos oder Netflix benutzen. Dass man hier mehr als genug Leistung hat, ist also zu erwarten. Nun werden aber auch Spiele auf mobilen Endgeräten immer wichtiger. Auch wenn ich selbst kein Fortnite und Co. spiele, kann ich anhand Alien Blackout bestätigen, dass das iPad Pro auch durch grafisch aufwendige Titel nicht an seine Grenzen gebracht wird.

Wie sieht es aber mit anderen „Pro“-Aufgaben aus? Ich nutze das iPad zum Beispiel noch zum Bearbeiten von Fotos mit Lightroom. Ein anderer Anwendungsfall ist das Schneiden von Videos (auch 4K). Beides läuft auf dem iPad super flüssig und ohne Probleme. Beim Schneiden von 4K Videos zeigt sich das iPad sogar perfomanter als mein iMac. Wo dieser dann doch ab und zu ins Stocken gerät, läuft das iPad nicht einmal warm.

Kurz zusammengefasst, die Performance des iPad Pro ist beeindruckend und auf lange Sicht mehr als ausreichend.

Flaschenhals Software?

Was kann bei all den Lobpreisungen noch schiefgehen? Glaubt man den meisten Reviews ist die Hardware zwar über jeden Zweifel erhaben, dafür ist aber das Betriebssystem IOS12 als Begrenzer der Möglichkeiten ausfindig gemacht worden.

Diese Aussage kann ich nur an einem einzigen Punkt wirklich bestätigen, dem Datei-Handling. Dateien auf dem iPad zu verwalten ist wirklich grausam. Es gibt zwar eine Dateien-App, aber diese zeigt euch nur Online-Speicher und ganz selten auf dem iPad vorhandene Ordner-Strukturen an (so zum Beispiel bei Luma Fusion der Fall). Auf ein Pro-Gerät gehört in meinen Augen einfach die Möglichkeit sämtliche Dateien und Ordner einzusehen! An das Problem gekoppelt, ist auch das Problem des neuen USB-C Ports. Dort kann man zwar in der Theorie allerhand Zubehör anschließen, aufgrund des fehlenden Datei-Handlings werden externe Festplatten gar nicht erst erkannt. Das muss sich in Zukunft bessern.

Ansonsten ist das iPad Pro aber ein echtes Arbeitstier. Wenn man sich auf die Beschränkungen einlässt und seinen Workflow entsprechend umstellt, wird man überrascht sein, wie viel man auf dem iPad tatsächlich erledigen kann. Das File-Handling erledige ich so zum Beispiel mit einen Wireless USB Stick von Sandisk und der zugehörigen App. Dank der guten App Integration konnte ich das Problem mit externen Speichern umgehen. Das ist zwar nicht sonderlich komfortabel, aber es geht. Nutzt man die Apple Cloud oder andere Cloud-Anbieter, wird es sogar noch einfacher.

Das Einzige, das ich mir tatsächlich wünsche, ist eine „echte“ Dateien-App. Damit könnte das iPad endgültig den herkömmlichen PC ersetzen.

Und sonst so?

Einen weiteren großen Sprung im Vergleich zum Air 2 legt das 11‘‘ iPad Prod bei den Lautsprechern hin. Mit insgesamt vier, in den jeweiligen Ecken liegenden, Soundquellen klingt das iPad Pro verdammt gut. So macht auch das Anschauen von Filmen und Serien bedeutend mehr Spaß!

Auch die Akkulaufzeit ist gemessen am schlanken Design echt überragend. 10 bis 12 Stunden Nutzung sind ohne Probleme möglich. Die Standby-Zeit bleibt ebenso ungeschlagen. So muss ich bei iPad bei täglicher, mehrstündiger Nutzung gerade einmal alle drei bis vier Tage aufladen. Perfekt!

So ziemlich gar nicht interessieren mich dagegen die Kameras. Sowohl die rückseitige, als auch die Frontkamera stammen so direkt aus dem iPhone und werden wohl ähnliche Ergebnisse erzielen. Da ich diese aber noch nie wirklich genutzt habe, kann im Test auch nicht weiter darauf eingehen.

Umso häufiger kommt Face ID zum Einsatz, dass mich schon beim iPhone echt verwöhnt hat. Dass das nun auch unabhängig von der Orientierung des Gerätes funktioniert, ist natürlich eine willkommeine Verbesserung. Auch der Hinweis zu einer möglich verdeckten Kamera ist immer wieder sehr hilfreich. Dass Face ID beim iPad nun aber schneller oder zuverlässiger funktioniert als beim iPhone X kann ich nicht sagen.

Dass Apple beim iPad nun auch auf USB-C setzt, hat für mich bisher auch keinen Unterschied gemacht. Da man sowieso keine externen Speicher anschließen kann, fällt dieser Vorteil flach. Ob ich zum Anschließen einer SD-Karte einen Lightning oder einen USB-C Dongle verwende, ist mir ehrlich gesagt auch egal. Für die Zukunft ist das iPad mit dem neuen Port aber sicherlich sehr gut aufgestellt.

Zum Schluss noch ein paar Worte zum Zubehör. Ich besitze weder das Smart Folio Keyboard Cover, noch den Apple Pencil. Eine Tastatur habe ich bisher auch nicht benötigt und wenn dann nutze ich einfach das Keyboard vom iMac. Den Stift finde ich wiederrum wieder sehr interessant, ob er mir den Preis wert ist, weiß ich noch nicht. Ansonsten nutze ich nur das normale Smart Cover, was wieder einmal verdammt teuer ist, dafür aber ganz schick aussieht und sich wunderbar einfach per Magnet festhält. Nur wird es leider extrem schnell dreckig.

Fazit

Ich bin von diesem 11‘‘ iPad Pro echt begeistert. Das Display, das Design und vor allem die reine Rechenpower sind einfach überwältigend gut. IOS stellt zwar noch so die eine oder andere Hürde dar und trotzdem lässt sich auf dem iPad sehr viel Arbeit erledigen. Sowie man sich auf den Workflow einlassen kann, eignet sich das Tablet auf jeden Fall als Laptop-Ersatz. Nur hat das Ganze wie gewohnt seinen Preis. Meine WiFi-Variante mit 64 GB Speicher kostet bereits 879 €. Wer will kann sogar bis zu 2.099 € ausgeben. Legt man dann noch die Tastatur und den Pencil oben drauf, liegt man bei knapp 2.500 €.  Bei diesen Preisen würde ich jedem lieber zum Mac raten. Einfach weil MacOS in vielen Belangen noch komfortabler zu bedienen ist. Wer aber genau weiß, wie man aus diesem wunderschönen Gerät alles herauskitzeln kann, wird für den Preis einen treuen und potenten Begleiter bekommen. Mir war es das Geld wert.

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