John Wick - Kapitel 3: Viel Action, null Substanz


John Wicks erster Auftritt hat mich damals regelrecht umgehauen. Vom langsamen Start, über den krassen Bruch,  bis hin zum actionreichen Finale war dieser Film unglaublich gelungen. Das lag natürlich an der Action, aber auch an Keanu Reeves, der den mysteriösen Auftragskiller perfekt darstellt. Auch den zweiten Teil mag ich sehr gerne. Auch weil er die Parallelwelt des John Wick weiter erklärt. Deshalb habe ich mich auch riesig auf den dritten Teil gefreut. Und nun saß ich im Kino und der Funke wollte einfach nicht so recht überspringen. Aber lest weiter!


Warum das alles?

Mit seiner Tat am Ende des zweiten Teils hat John Wick seine Mitgliedschaft im Continental verwirkt. Ein hohes Kopfgeld wird auf ihn ausgesetzt und die Jagd beginnt. Ich war schon vorher skeptisch. Kann man einen Film komplett auf dieses Katz und Maus Spiel aufbauen? Wie sich herausstellt scheinbar nicht, denn schon recht bald eröffnet der Film neue Handlungsstränge, die den Namen John Wick wieder reinwaschen sollen.

Leider haben diese in meinen Augen absolut gar nicht funktioniert. Ja, John Wicks Abstecher in die Wüste ist toll anzusehen und auch habe ich gewisse Gastauftritte nicht kommen sehen, aber dass sich der gesamte Mittelteil der Handlung ich Nachgang als völlig überflüssig darstellt, hilft auch nicht weiter. Ich möchte nicht zu viel verraten, aber eine gesamte Stunde des Films war für mich absolut überflüssig. Da hilft auch die schön gefilmte Hunde-Action nicht.

Und so wirkt der ganze Film wie ein groß inszenierter Lückenfüller, dessen Handlung erst in der allerletzten Minute wirklich fahrt aufnimmt. Erst als die letzte Szene des Films gelaufen ist, wollte ich wissen wie es weitergeht. Alles davor hat mich erschreckend kalt gelassen.

Knallharte Action

Dass der Film zu keiner absoluten Katastrophe verkommt, ist den altgewohnten Stärken der Serie zu verdanken. Die Action ist beinahe immer über jeden Zweifel erhaben. So brachial und roh wie in diesem Film fühlt sich kaum eine andere Auseinandersetzung auf der großen Leinwand an. Zudem hat mir richtig gut gefallen, wie kreativ die Kampfszenen wieder einmal umgesetzt werden. So kann John Wick sein Können auf vielfältige Art und Weise demonstrieren. Sogar Pferde werden so zu einer tödlichen Waffe.

Und trotzdem gab es ein paar Szenen, die mir einfach zu sehr ausgeufert sind. Da wäre eine gewissen Hunde-Kampfszene, die einfach nicht enden will und bei der gefühlt hunderte unbedeutende Gegner bekämpft werden. Oder wenn John Wick gegen Ende durch harte Glasvitrinen getreten wird, ist das beim ersten Mal noch wirklich beeindruckend. Spätestens bei der vierten Vitrine sagt man sich aber „Ja, ich hab’s verstanden! Der Typ hält echt was aus!“.

Ich finde es auch nicht sonderlich gelungen, John Wick ebenwürdige Kampfpartner zur Seite zu stellen. So kämpfen neben ihm dieses Mal immer wieder Personen, die ähnlich begabt kämpfen können. Ich dachte immer John WIck wäre der übermenschlich starke „Motherfucker“. Wenn nun alle auf einmal so gut kämpfen können, wird dieses Bild etwas zerstört.

Etwas zu cool

Über Keanu Reeves kann ich aber nur Lob loswerden. Der Mann ist topfit, verkörpert dieses gewisse Etwas und trägt damit mit Leichtigkeit den gesamten Film.

Das kann man so über seine Kollegen leider nicht immer sagen. Vor allem Mark Decascos ging mir zum Ende des Films eher auf die Nerven. So wird er als cooler Samurai eingeführt und verkommt zum Ende zum peinlichen Fanboy. Diese Schwäche ist eher dem Drehbuch zuzuordnen, aber es bleibt eine Schwäche.

Ingesamt wirkt es so als wollte man zu cool sein, als es für den Film noch gut gewesen ist. Unsere Protagonisten neigen noch viel mehr zu coolen Sprüchen und das Setting wird immer abgefahrener, dabei aber nicht unbedingt interessanter.

Mir ist man hier über das Ziel hinausgeschossen!

Fazit

John Wick 3 ist für mich die erste größere Enttäuschung des Kinojahres 2019. Auch wenn die Action weiterhin auf dem allerhöchstem Niveau präsentiert wird, so ist alles drumherum ein klarer Rückschritt zu den beiden vorherigen Filmen. Die Story ist nicht nur quasi nicht existent, sondern darüber hinaus auch über weite Strecken absolut sinnlos. John Wick handelt nicht mehr nachvollziehbar, seine Gegenspieler sind nerviger als sonst und die Welt cooler als ihr gut tut. Wer nur ein paar coole Action-Szenen sehen will, der hat hier seine Freude. Für alle, die etwas mehr erwarten, ist das mit hoher Wahrscheinlichkeit gar nichts. Schade!

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