Schöner und schlanker Handschmeichler
Schon mein erster Eindruck beim
Auspacken des Scribe konnte überzeugen. Amazon liefert ein in meinen Augen super
schickes und angenehm schlankes Gerät. Auch wenn ich es für den Transport in
der Schutzhülle habe (zu dieser später mehr), nehme ich den Scribe einfach
gerne in die Hand. Er fühlt sich einfach so gut und verdammt hochwertig an.
Im Grunde ist das 2024er Modell
auch nur ein kleines Redesign der ersten Generation. Der Wechsel von der
schwarzen zur weißen Front ist für mich aber ein riesiger Unterschied. Der
Scribe sieht dadurch sehr viel moderner, leichter und schöner aus. Mir gefällt
das Design so richtig gut.
Knackscharf und gut für die Augen
Genauso positiv geht es weiter,
wenn man das Display einschaltet. eInk ist ja schon lange keine neue
Technologie und trotzdem bin ich immer wieder beeindruckt, wie sauber und klar
diese Displays aussehen. Zwar kann der Scribe nur Graustufen darstellen, für
meine Zwecke reicht das aber völlig aus. Wichtiger waren für mich eine knackscharfe
Darstellung, gute Kontrastwerte und eine Hintergrundbeleuchtung für schlechte
Lichtverhältnisse. All das bietet der Scribe.
Das Display bietet mit 300 ppi
auf einer Displaygröße von 10,3 Zoll ein sehr scharfes und kontrastreiches
Bild, das man bei allen Lichtverhältnissen richtig gut und angenehm lesen kann.
Die Beleuchtung, die sich in
Helligkeit und Wärme anpassen lässt (auch automatisch), ist gleichmäßig und
auch im Dunkeln sehr angenehm. In manchen Tests wurde von Bleeding berichtet.
Das kann ich nicht bestätigen.
| auffälliger Display-Schatten (Abstand zum Glas) |
Beim Display habe ich nur eine
einzige Sache zu bemängeln. Durch die die Beleuchtung und den Digitizer für den
Stift entsteht ein deutlicher Abstand zwischen Display und Glas. Diesen „Displayschatten“
sieht man recht deutlich. Beim Lesen stört es nicht, beim Schreiben mit dem
Stylus ist es aber spürbar, dass zwischen „Tinte“ und Stiftspitze ein Versatz
vorhanden ist.
Beenden wir den Display-Part auf
einer positiven Note. Wer eInk-Displays kennt, dem sollten Effekte wie Ghosting
oder langsame Reaktionszeiten bekannt sein. Hier kann Entwarnung geben.
Ghosting ist mir nie negativ aufgefallen und das Display reagiert angenehm
schnell. Vor allem beim Schreiben ist erstaunlicherweise kaum eine Latenz zu
spüren.
Schreiben „fast“ wie auf Papier
Und da ich den Stylus schon
erwähnt habe, machen wir gleich mit dem Schreibgefühl weiter. Genau dafür habe
ich mir den Scribe ja gekauft. Wie schlägt er sich da?
Zunächst möchte ich lobend
erwähnen, das Amazon gleich den Premium Pen mit beilegt. Bei der Konkurrenz von
Remarkable muss ein Stift zum Beispiel noch extra dazu gekauft werden. Und
dieser Premium Pen ist dabei nicht einmal schlecht. Nein, er ist sogar richtig
gut. Dank der Wacom-Technologie muss er NIE geladen werden, liegt angenehm in
der Hand und bietet dank Radierer und Seitentaste wirklich nützlich Zusatzfunktionen.
Bringt man den Pen dann auf den
Scribe zeigt sich die volle Stärke dieser Produktkategorie. Das Display ist
angeraut und damit flutscht der Stift nicht einfach über Glas, sondern man
spürt eine gewisse Reibung beim Schreiben. Das macht für mich das Schreibgefühl
so viel besser als auf dem iPad (selbst mit Paperlike-Folie). Auch in Verbindung
mit eInk sieht es fast schon verblüffend echt nach Tinte auf Papier auf. Auch
wenn ich ganz ehrlich sagen muss, wie Papier fühlt sich das noch nicht an, aber
es kommt nahe genug heran. Bisher bietet der Scribe das beste digitale Schreibgefühl,
dass ich bisher erleben durfte. Und der Radierer fühlt sich tatsächlich
verblüffend „echt“ an.
Gerade genug Funktion
Viele Testberichte schreiben
auch, dass der Scribe als Notizbuch nicht überzeugen kann, weil bestimmte Funktionen
wie das Verlinken von Notizen fehlt oder externe Dienste nicht synchronisiert
werden können. Ich kann diese Kritikpunkte zwar teilen, lege persönlich darauf
aber nicht so viel Wert. Zeichentools wie automatische Formen oder Layers
brauche ich nicht unbedingt. Das sind für mich Nice-to-Haves, aber keine Dealbreaker.
Amazon bietet auf dem Scribe mehr
als ausreichend Templates (kariert, liniert, Storyboards, usw.) und per PDF
können weitere Vorlagen geladen werden. Die angebotenen Stiftarten mit
verschiedenen Strichstärken hinterlassen bei mir keine Wünsche. Notizbücher
lassen sich intuitiv in Ordnern organisieren. Und das Teilen der Notizbücher via
Email oder Kindle App ist zwar etwas umständlich, aber problemlos möglich.
| Notizen in der Kindle App auf dem iPhone |
Ich nutze den Scribe auch
regelmäßig zum Markieren in PDF-Dokumenten. PDFs müssen erst via „Send to
Kindle“ im Web oder via App an den Scribe gesendet werden. Dieser Extra-Schritt
kann nerven, aber danach ist das PDF-Handling einwandfrei. Pinch-to-Zoom,
Scrollen und Markieren funktioniert genauso wie man es erwartet. Ja, es geht
nicht so flott wie auf dem iPad Pro, aber für meine Zwecke schnell genug. PDFs
lassen sich auch mitsamt Markierungen wieder teilen.
So richtig vermisse ich nur das
Verlinken innerhalb und zwischen Notizbüchern.
Klassische Kindle Stärken und Schwächen
Was sonst noch für den Kindle
Scribe spricht? Es ist ein Kindle.
Damit meine ich, zum Lesen ist
der Kindle genauso gut geeignet wie seine kleineren Verwandten. Man bekommt
sofort Zugriff auf seine gesamte Kindle-Bibliothek, Prime Reading oder Kindle
Unlimited Dienste oder auch dem prall gefüllten Store. Lest ihr auf mehreren
Geräten (auch der Kindle-App), wird der Lesefortschritt sofort synchronisiert. Der
Scribe fügt sich so naht- und reibungslos in ein bestehendes Ökosystem ein.
Mir persönlich ist der Scribe zum
Lesen ein wenig zu groß und zu schwer (vor allem mit Hülle). Da nehme ich
abends im Bett lieber meinen Oasis. ABER, ich kann den Scribe auch auf Arbeit
in der Pause wunderbar für einige Minuten Lesen verwenden und dann zu Hause
bequemer mit dem Oasis weiterlesen und muss nicht mehrere Geräte mitnehmen. Das
große Display mag auch für Manga-Fans, Magazine oder bei Sehschwäche
interessant scheinen, aber diese Punkte habe ich persönlich nicht getestet.
Der Kindle-Aspekt kann dem Scribe
aber auch als Kritikpunkt angerechnet werden. Gerade auf der Startseite wird
das deutlich. Denn hier bietet euch Amazon genau eine einzige Zeile mit eigenen
Inhalten. Alles weitere auf dem Startbildschirm ist Werbung, bzw. Store-Inhalte.
Vor allem bei einem Gerät, dessen Fokus auf produktiven Aufgaben liegt, wirkt
das normale Kindle Interface fehl am Platz.
| starker Fokus auf Shop-Inhalte auf der Startseite |
Das scheint auch Amazon erkannt
zu haben, denn beim neuen Scribe gibt es da Anpassungen. Die kann ich hier aber
nicht bewerten.
Und sonst so?
Das wäre hier kein Kindle oder
eInk-Test ohne die fantastische Akkulaufzeit hervorzuheben. Ich habe in den
zwei Monaten mit meinen Scribe das Gerät genau ein einziges Mal aufgeladen. Und
dabei benutze ich den Scribe beinahe täglich um Notizen zu schreiben, PDFs zu
markieren oder ein paar Seiten zu lesen. eInk-Tablets sind gerade durch den reduzierten
Funktionsumfang und der energiesparenden Displaytechnologie echt Dauerläufer.
| Amazon Hülle steht an den Seiten weiter über |
Ich habe mir zu meinem Kindle
Scribe auch die offizielle Hülle von Amazon gekauft. Wichtig zu wissen, es
passen auch die Hüllen der ersten Generation und die sind günstiger zu haben.
An sich gefällt mir die Hülle sehr gut. Sie ist hochwertig, sieht gut aus,
schützt das Gerät und bietet mit der Schlaufe eine sichere Halterung für den
Pen. Der hält zwar auch magnetisch am Scribe, aber für den Transport in der
Tasche war mir das zu unsicher. Bedenkt dabei aber, der Scribe wird mit der
Hülle recht schwer und für meinen Geschmack steht die Hülle auch an den Seiten
etwas zu sehr über. Zum Lesen lege ich die Hülle deswegen lieber ab. Den Preis
(ca. 50€) finde ich auch recht happig.
Fazit
Ich habe den Kauf des Kindle
Scribe (2024) trotz iPad Pro nie bereut. Mein iPad begleitet mich seitdem nicht
mehr mit ins Büro. Hier hat das Scribe das potentere Gerät durch den klaren
Fokus, das viel bessere Schreibgefühl und die unschlagbare Akkulaufzeit ersetzt.
Diese eInk-Tablets sind ganz klare Spezialisten. Geräte, die für eine ganz
klare Zielgruppe konzipiert wurden und ganz offensichtlich gehöre ich da wohl
dazu.
Der Kindle Scribe ist wirklich nicht für jeden geeignet. Sucht ihr einen
eReader? Das macht der Paperwhite besser! Sucht ihr das bestmögliche digitale Notizbuch?
Vielleicht sogar mit Farbdisplay? Schaut euch lieber das Remarkable Paper Pro
oder Geräte von Boox an. Seid ihr aber auf der Suche nach einem sehr guten digitalen
Notizbuch, mit dem ihr auch sehr gut Lesen könnt und das dabei nicht das Budget
sprengt? Dann ist der Scribe genau richtig für euch!
Vor allem wenn Amazon die
Dinger mal wieder in den Angebotsphasen zu sehr guten Preisen „raushaut“. Ich
habe für meine 16GB-Variante (die vollkommen ausreicht) ca. 300€ bezahlt. Das
finde ich fair. Bei der UVP von ca. 420€ oder sogar 650€ für den neuen Scribe
Colorsoft wird es schon schwieriger. Deswegen mein Tipp: Wartet auf ein
Angebot!
Der Kindle Scribe ist kein Gerät,
das man sich schönredet. Man muss ihn wollen. Tut man das, bekommt man ein
fokussiertes, langlebiges und überraschend überzeugendes Arbeitsgerät.
Aktuelle Angebote und Preise vom Kindle Scribe findet ihr hier bei Amazon!

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