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Arc Raiders: Warum selbst ein Solo-Muffel plötzlich das Headset aufsetzt


Es gab da diesen Moment, diese eine Ingame-Begegnung, da wusste ich, Arc Raiders ist etwas ganz Besonderes. Ich lief mit vollen Taschen zum Extract und hörte in der Ferne Schüsse, ein klares „Someone, please help!“ und den eindeutigen Sound einen wütenden Rocketeers. Blitzschnell fanden sich drei weitere Spieler und das Biest fiel vom Himmel. Und der Gerettete? Der dachte sich doch wirklich, er könnte sich jetzt gegen seine Retter wenden und den Loot abstauben. Ein kurzer, intensiver Kampf später und er lag im Staub, entschuldigte sich, wurde wiederbelebt und die Truppe fuhr gemeinsam nach Hause. So viel spontane Kooperation, Feindseligkeit, Reue und Triumph, vor allem mit anderen Spielern, hatte ich in noch keinem anderen Spiel erlebt.

Freund oder Feind?

Doch fangen wir nochmal von vorne an. In Arc Raiders schlüpft ihr in die Haut eines namensgebenden Raiders. Das sind mutige Männer und Frauen, die den Untergrund, in dem sich die Menschheit zurückziehen musste, verlassen und an der Oberfläche nach brauchbaren Materialien und Nachschub suchen. An der Oberfläche warten feindselige Roboter und andere Raider. Während die Roboter definitiv feindselig sind, ist das mit den anderen Raidern immer so eine Sache. Sind sie freundlich? Hilfsbereit? Wird man einfach ignoriert? Oder wird man direkt überfallen?


Arc Raiders erzählt dabei keine „echte“ Story, sondern baut eine dichte Welt, mit viel Lore und setzt ganz klar auf Geschichten, die durch die Spieler innerhalb der Matches entstehen. Denn alle Raider sind echte Gamer. Alle verfolgen eigene Ziele. Sei es eine der zahlreichen Quests, die Suche nach ganz bestimmten Loot oder einfach das Ziel, anderen so richtig schön den Tag zu versauen. Während die Quest ein loses, erzählerisches Netz auswerfen und man so etwas über die Spielwelt erfahren kann und auch die Umgebung selbst viel erzählt, sind es vor allem die ungeplanten Geschichten, wie in meinem Intro, die jede Runde spannend machen und der Spielwelt Leben einhauchen.

Ich bin normalerweise ein klassischer Solo-Spieler. Aber selbst ich habe angefangen den Voice Chat, der automatisch für Spieler in der Nähe hörbar ist, zu nutzen. Das Headset blieb plötzlich auf dem Kopf und eingeschaltet. So entstehen fantastische Spielmomente. Kurze Absprachen, Dankbarkeit und Hilfe, kaum ein anderes Spiel hat so eine starke soziale Komponente. Und sei es nur ein spaßiges „Kuckuck“ bevor man den anderen den Tag vermiest.

Die Ruinen einer alten Welt

Diese Spielwelt ist für sich allein gesehen schon ein Highlight. Das geerdete und trotzdem futuristische Design spricht mich voll an. Es wirkt glaubhaft, dreckig und greifbar. Auf den verschiedenen Maps sind zudem so viele kleine Details verstreut, dass man im Kopf automatisch die Geschichte dazu erschafft. Man steht am Raumhafen vor der der riesigen Startrampe, sieht die Überbleibsel der Raketen und das Bild, wie die Menschen damals die Erde Richtung Weltraum verlassen haben, bildet sich von ganz allein. Das Storytelling durch die Welt und die dichte Lore erinnern mich wohlig an From Software Spiele.


Die Stars in dieser Welt sind aber definitiv die Arcs: Roboter, die in allen möglichen Formen und Größen durch die Welt stapfen. Von kleinen spinnenartigen Zecken, die sich in dunklen Gängen anschleichen, über explodierende Kugeln, bis hin zu riesigen Metallkolossen, die Arcs fügen sich bestens in das Bild ein. Vor allem deren KI und Animationen können überzeugen. Embark hat den Arcs über KI-Features das „Laufen“ beigebracht und danach die Animationen „rund gemacht“. Diese Natürlichkeit ist jederzeit spürbar.

Schießt man einer drohnenartigen Wespe zum Beispiel einen der vier Rotoren ab, kann man schön beobachten, wie sie live „lernen“ muss auch mit drei Rotoren zu fliegen. Fliegt sie schon zu tief oder stößt dabei gegen ein Hindernis, wird sie bei der Kollision zerstört. Das fühlt sich nicht nur ungemein glaubhaft an, sondern kann auch spielerisch ausgenutzt werden.

Rutschen, Hechten, Schleichen, Schießen

Nicht nur das Movement der PVE-Gegner ist so überzeugend. Auch die eigene Spielfigur ist angenehm agil.

Spieler können sich an fast allen Kanten festhalten und hochziehen. Später können Grabbling Hooks und Seilrutschen gebaut und fast überall aufgestellt werden. Das macht Arc Raiders viel vertikaler als anfangs gedacht. Mit Hechtsprüngen bringt ihr euch schnell in Sicherheit. Dabei schaut man permanent auf seine Ausdauerleiste, denn plötzlich nicht mehr Rennen oder schnell Wegrollen zu können, kann schon das Ende des Raids bedeuten.


Es macht aber auch Sinn leise und langsam vorzugehen, Deckungen zu nutzen und die Arcs und andere Spieler zu vermeiden. Wenn man mit vollen Taschen Richtung Ausgang schlecht und hofft, ja nicht mehr gesehen zu werden, dann fühlt sich das in Arc Raiders fantastisch an.

Wird man doch entdeckt, und das wird nicht ausbleiben, müssen eben die Waffen sprechen. Arc Raiders bietet auch hier eine breite Palette von einfach Pistolen, durchschlagskräftigen Gewehren und brachialen Mini-Guns. Fast alle Waffen fühlen sich nicht nur gut an, sondern haben auch jeweils klare Vor- und Nachteile. Schwere Waffen gegen Arcs, mittlere und leichte Kaliber im Kampf gegen andere Raider.

Dazu gesellen sich zahlreiche Werkzeuge wie Gasgranaten, um den Blick zu verschleiern, Sprengfallen und zielsuchende Raketen. Auch im Nachkampf kann zugeschlagen werden. Arc Raiders bietet mehr als ausreichend Werkzeuge zur Verteidigung und fast alle machen richtig Spaß.

Volle Taschen und Verwirrung

Und wenn wir schon bei Waffen und Ausrüstung sind, sprechen wir doch nochmal über den Kern des Spiels, den Loot und die Extraction Mechanismen.

Zwischen den einzelnen Spielrunden, die maximal 30 Minuten dauern, seid ihr in der Hub-Welt von Speranza. Das sind leider nur schicke Menüs. Ich hätte es schön gefunden, wenn man frei durch die Untergrund-Stadt hätte laufen können. Auch weil die Menüs zu Beginn extrem verwirrend sein können und die Bedienung selbst nach vielen Spielstunden noch recht sperrig ist. Gerade auf der Konsole mit dem Conroller ist das Inventar-Management ziemlich umständlich.


Aber hier greift die eigentliche „Suchtspirale“. Im Lager könnt ihr zunächst Crafting-Stationen bauen, an denen dann neue Waffen und Hilfsmittel gebaut und verbesswert werden. Dazu braucht ihr natürlich jede Menge Materialien, die ihr an der Oberfläche zwischen den Arcs und anderen Spielern findet. Dazu kommen Quests und Projekte, bei denen ihr bestimmte Ziele auf den Maps besuchen oder eine bestimmte Anzahl von Materialien einsammeln sollt.

So hat man IMMER etwas, das man gerade unbedingt braucht oder erledigen muss. Und in der nächsten Runde findet man es bestimmt. Oder dann doch „nur noch eine Runde“? Genau diese Loot-Spirale funktioniert bestens.

Vor allem, weil ihr in den Matches ALLES verlieren könnt. Schafft ihr es nicht zum Extract und werdet von den Arcs oder anderen Spielern erledigt, ist alles im Inventar verloren. Ihr hattet eure stärkste Waffe und richtig viele wertvolle Gadgets dabei? Schade! Die anderen Raider werden sich freuen, denn jetzt werdet ihr zum Loot. Dieser Reiz hat mir richtig gut gefallen und es erzeugt in jeder einzelnen Runde eine ordentliche Prise Spannung.

Augen- und Ohrenschmaus

Ich habe ja schon geschrieben, dass die Welt sehr stimmig und dicht gestaltet ist. Trotzdem muss ich nochmal explizit erwähnen, wie toll sie zudem aussieht und wie butterweich alles auf der PS5 läuft. Ladezeiten sind zudem angenehm kurz.

Noch beeindruckender ist dazu der Sound. Oft hört man Gegner bevor man sie sieht. Arcs haben alle ihre eindeutigen Sounds. Mit der Zeit spielt man fast mehr mit den Ohren als mit den Augen. Das eindeutige Surren der Rotoren oder Fußtritte der anderen Raider zeigen eindeutig was wo gerade passiert. Ein anderer Raider knackt gerade eine Kiste und kann deswegen nicht sofort reagieren. Wenn man das hört, wäre es doch der perfekte Moment für einen schnellen Überfall.


Wenn dann die Waffen sprechen, knallt das so brachial durch die Lautsprecher oder Kopfhörer, dass man sich regelrecht erschrecken kann.

Aber auch die Arcs können euch hören. Ich habe schon oft erlebt, wie Arcs taktisch angelockt werden, um gegnerische Teams auszuschalten. Sound ist in Arc Raiders super wichtig und es klingt alles so verdammt gut!

Fazit

Ich war bei Arc Raiders anfangs skeptisch. Wie schon geschrieben, ich bin sonst nicht der Typ für Multiplayer. Aber diese spannende Komponente von spontanen Kooperationen, plötzlichem Verrat und der stetigen Gefahr ALLES zu verlieren, haben mich gepackt. Dazu kommen eine unglaublich dichte Spielwelt mit detaillierten und überraschend großen Maps, eine motivierende Loot-Spirale und fantastisches Gameplay. Arc Raiders hat mich im Sturm erobert und ich kann es wirklich jedem weiterempfehlen. Selbst wenn ihr, wie ich auch, sonst gar keine Multiplayer-Fans seid. Arc Raiders ist einfach so gut!

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