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Anbernic RG34XX-SP: Nostalgie pur!


In Zeiten, in denen Gaming immer teurer wird, seien es Hardware-Preise oder Spiele selbst, schaut man als alternder Gamer gerne auf die gute, alte Zeit zurück! Damals, als man noch gebückt auf einen kleinen, viel zu dunklen Bildschirm gestarrt hat und für viele, viele Stunden in Kanto oder Hyrule verloren gegangen ist. Retro-Gaming ist so stark wie nie zuvor. Emulatoren haben ihren Weg auf Smartphones gefunden. Auch auf meinem Steam Deck liegt mittlerweile meine gesamte ROM-Sammlung. Und trotzdem sind dedizierte Retro-Handhelds für mich der vermutlich beste Weg, um der Nostalgie freien Lauf zu lassen.

Als Handhelds noch portabel waren

Handhelds gibt es ja mittlerweile auch wie Sand am Meer. Ich habe mich bewusst für einen Anbernic RG34XX-SP entschieden. Grund Nummer Eins: der Formfaktor. Wie der Name verrät, orientiert sich das Gerät am Nintendo Advance SP. Die Dimensionen passen nicht zu hundert Prozent, aber es kommt verdammt nah dran. Und damit spielt der Anbernic seine erste große Stärke aus. Er ist verdammt kompakt, passt dadurch wirklich in jede Tasche und dank des Klappmechanismus muss man sich auch keine großen Sorgen um das Display machen.

Ich liebe mein Steam Deck. Valve hat hier ein ergonomisch fantastisches Gerät abgeliefert, auf dem ich unterwegs sehr gerne spiele. Aber es ist auch ein ganz schöner Klotz (vor allem im Case) und gerade auf Reisen, wenn man jedes zusätzliche Gramm im Rucksack irgendwann spürt, wünscht man sich etwas Handlicheres herbei. Und genau hier ist der Anbernic unschlagbar. Der fällt mit seinen knapp 180 Gramm absolut gar nicht auf, passt überall rein und ist deswegen für mich jetzt auch mein „Immer dabei“-Gaming-Gadget geworden.

Klappe zu, Nostalgie an: Verarbeitung & Ergonomie

Der Klappmechanismus des RG34XX-SP ist sehr gut und meinem Fall auch sehr solide umgesetzt. Der Widerstand beim Auf- und Zuklappen fühlt sich genau richtig an, bei der Einrastposition hat man den exakt richtigen Winkel gewählt und das satte „Plopp“ beim Zuklappen ist immer wieder befriedigend.

Anbernic hat den kleinen Handheld insgesamt sehr gut verarbeitet. Natürlich ist es ein „Plastikbomber“, aber keineswegs billig. Er liegt angenehm in der Hand, alle Tasten haben satte, saubere Druckpunkte und im Gegensatz zum Schwestermodell RG35XX-SP klappern auch die Schultertasten nicht mehr. Ich finde auch die Farben sehr gelungen. Mein graues Modell mit den lilafarbenen Akzenten fährt voll auf der Nostalgie-Schiene. Das gelbe Modell meines Sohnes trifft mit den roten Tasten voll die Pikachu-Vibes, auf die er gerade so abfährt. So nebeneinander muss ich auch gestehen, dass mir rein optisch der gelbe auch besser gefällt.


Natürlich ist der RG34XX-SP recht klein und gerade mit großen Händen kann es auf Dauer etwas unbequem werden, vor allem wenn man die versenkten Analog-Sticks verwendet. Wenn ich dazu noch die Schultertasten bediene, muss ich meine Finger immer ein wenig verrenken. Zum Glück spiele ich auf dem Anbernic aber überwiegend Systeme, bei denen die Haltung mit Fokus auf dem D-Pad wesentlich bequemer ist. Für kleine Hände, wie die meines Sohnes, ist die Größe allerdings optimal.

Pixel-perfekt für den Game Boy Advance

Das 3,4 Zoll große IPS-Display im 3:2 Seitenverhältnis orientiert sich hier ebenfalls am Vorbild und bietet mit seinen 720 x 480 Pixeln die exakt dreifache Auflösung im Vergleich zum Advance SP. Gameboy Advance Spiele sehen dadurch fantastisch aus. Knackscharf, farbenfroh und ohne zusätzliche Ränder. Bei anderen Systemen, wie dem NES, SNES oder dem Gameboy Colour, die ein anderes Seitenverhältnis hatten (z.B. 4:3), blendet die Anbernic Software automatisch Rahmen ein. Auch 16:9 Systeme werden mit entsprechenden Rändern dargestellt. Auf dem kleinen 3,4 Zoll Display kann das Bild dann schon recht klein werden. Für meine Augen ist es noch groß genug. Es ist aber sehr deutlich, wo hier der Fokus liegt. Der RG34XX-SP soll in erster Linie Gameboy Advance emulieren. Alle weiteren Systeme sind Bonus.


Alternativ kann man das System auch einfach auf die volle 3:2 Auflösung stretchen. Bei der PS1 und dem N64 sieht das für mich auch noch vernünftig aus. Auch hier spielt das kleine Display seine Stärken aus. Bei der kompakten Größe fällt es nicht so stark auf, wenn Pixel nicht perfekt dargestellt werden. Aber das wird jeder anders wahrnehmen.


Ein Makel ist mir beim Display doch noch aufgefallen. Vor allem mein graues Modell hat richtig starkes Backlight Bleeding. Bei schwarzen oder sehr dunklen Bildern sieht man an den Rändern recht ungleichmäßig die Beleuchtung durchscheinen. In den farbenfrohen, meist hellen Spielen des GBA fällt das dann auch gar nicht mehr auf. Beim gelben Anbernic meines Sohnes ist das auch nicht so stark ausgeprägt. Da habe ich bei meinem wohl etwas Pech gehabt.

Mehr als nur GBA

Und damit sind wir auch schon bei den Systemen angekommen, die auf dem RG34XX-SP gespielt werden können. Angetrieben von einem H700 Quadcore Prozessor, begleitet von 1 GB RAM, stellen die alten Retro-Systeme gar keine Herausforderung dar. NES, SNES, Gameboy, Gameboy Colour, Gameboy Advance, Sega Master System, Sega Genesis oder das Sega CD stellen absolut gar kein Problem für die Hardware dar. Diese Systeme laufen butterweich, das Gerät bleibt dabei angenehm kühl und die Akkulaufzeit lang.


Auch die ersten 3D-Systeme wie die PS1 oder das N64 können emuliert werden. Die PS1 läuft in meinem Fall auch völlig problemlos. Beim N64 kann es zu unschönen Grafikfehlern kommen. Hier stößt der Anbernic so langsam an seine Grenzen. Für die schnelle Runde Mario Kart 64 reicht es aber völlig aus. Ich hatte zum Beispiel auch erstaunlich viel Spaß mit Tony Hawks Pro Skater 2, trotz, oder vielleicht auch aufgrund des kleinen Displays. Auf so einem kleinen und portablen Gerät Kickflips im Hangar zu landen, ist einfach irgendwie besonders. Da bin ich auch dankbar, dass der RG34XX-SP die beiden Analog-Sticks anbietet.


Es gibt auf dem Markt natürlich bedeutend performantere Handhelds. Auf meinem Steam Deck kann ich alles bis zur Switch problemlos emulieren. Das ist aber erstens nicht der Fokus des Anbernic und zweitens kostet der RG34XX-SP auch nur einen Bruchteil dessen, was man für potentere Geräte zahlen darf. Es handelt sich ganz klar um einen Gameboy Advance Emulator, der nebenbei auch andere Systeme abdeckt. Und diese Aufgabe wird mit Bravour erfüllt.

Jetzt habe ich nebenbei auch die Akkulaufzeit schon kurz erwähnt. Die liegt zwischen 5 bis 8 Stunden, abhängig vom emulierten System, der Displayhelligkeit, eingeschaltetem WLAN und so weiter. Das ist solide. Nur die Ladezeiten sind recht lang und der Handheld ist sehr wählerisch, wenn es um die Wahl des Ladegeräts geht. Schnelllader und USB-C auf USB-C Kabel haben bei mir nicht funktioniert. Ein langsames Netzteil mit USB-C auf USB-A Kabel dagegen schon. Da muss man sich beim Aufladen ein wenig gedulden.

Betriebssystem & ROMs: Zweckmäßig mit Luft nach oben

Retro-Gaming und Emulatoren werden zwar immer einfacher zu bedienen, sind aber noch lange nicht auf dem Komfort einer „echten“ Konsole angekommen. Auch beim Anbernic hatte ich ein wenig zu kämpfen. Der Plan war eigentlich das originale Betriebssystem von Anbernic durch Knulli zu ersetzen. Das bietet eine hübschere Optik, einfachere Menüs und ist vor allem für Kinder einfacher zu bedienen. Doch Anbernic tauscht bei seinen Handhelds gerne einzelne Komponenten aus. Hier mal ein neues Display-Panel, 1 GB statt ursprünglich 2 GB RAM und plötzlich kann die Custom-Firmware nicht mehr geladen werden. Ich habe Knulli und muOS ausprobiert und bei beiden bleibt das Display des RG34XX-SP momentan einfach dunkel. Die Entwickler dieser alternativen Betriebssysteme, die das alle als Hobby kostenlos nebenbei betreuen, sind zwar dran, aber das kann immer etwas dauern.


So nutzen wir die Anbernics aktuell mit der Stock Software. Die ist zweckmäßig. Als optisch ansprechend würde ich die Software nicht bezeichnen, bestimmte Einstellungen sind nur über separate Apps zugänglich (z.B. Shader-Settings) und auch die Dopplung von Anbernics Stand Alone Emulatoren und Retroarch ist in meinen Augen sinnlos. Zumal Retroarch auch bedeutend besser läuft als die Emulatoren im „Game Rooms“ (oder „Explore“) Menü. Mein Sohn kommt mittlerweile auch gut mit dem System zurecht und verirrt sich nur selten ins Retroarch-Menü. Es funktioniert, aber sobald Knulli die neue Hardware-Revision korrekt unterstützt, werden wir umziehen.

Ich habe die beiden RG34XX-SP via AliExpress bestellt und zu den Handhelds jeweils eine 64 GB No-Name SD-Karte, voll beladen mit verschiedenen ROMs erhalten. Die Qualität der ROM-Sammlung ist durchwachsen. Die Anbernic SD-Karten haben auch nicht den besten Ruf. Deswegen habe ich lieber eigene Sandisk-Karten mit der Stock Firmware geflasht und die eigene ROM-Sammlung geladen.

Das Thema ROMs und die Legalität drumherum möchte ich gar nicht weiter ausführen. Ich werde euch auch nicht verraten, wie ihr an die ROMs herankommt. Nur so viel dazu: In Zeiten, in denen alles immer teurer wird und Nintendo für 20 Jahre alte Spiele 20€ verlangt, sind Emulatoren ein echter Segen!

Fazit

Der Anbernic RG34XX-SP kostet zwischen 60 bis 80 Euro. Gerade auf Plattformen wie AliExpress kann der Preis stark variieren. In dieser Preisspanne ist der kleine Handheld für mich ein richtig gutes Angebot. Die Hardware ist ein Traum, die Performance genau richtig und wenn man bedenkt, dass hier tausende von Spielen auf einen warten, geht es kaum besser. Ich muss da auch ganz klar den Nostalgie-Faktor mit draufrechnen. Spiele aus meiner Kindheit nochmal nachholen zu können, auf einer Hardware, die sich wie damals anfühlt, ist einfach besonders. Der RG34XX-SP ist auch eine richtig gute Option für Kinder, die erste Berührungen mit dem Gaming-Hobby machen. Keine Online-Dienste, keine In-Game-Shops, volle Kontrolle über geladene Inhalte und ein Design, dass dank des Klappmechanismus auch vor tollpatschigen Kinderhänden geschützt ist. Mein Sohn und ich lieben unsere „Gameboys“ und haben richtig viel Spaß beim Entdecken der alten Gaming Welten.

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